zeit.geschichte am Samstag

Wie wir wurden. Was wir sind.

Die dreiteilige Dokumentarreihe von Gerhard Jelinek und Birgit Mosser-Schuöcker beschäftigt sich mit der politischen Lage Österreichs und gesellschaftlichen Meilensteinen von den 1960ern bis in die 90er-Jahre.

Wie wir wurden. Was wir sind (1/3) - Wir sind wieder wer

Wie wir wurden. Was wir sind (2/3) - Es muss sich was ändern

Wie wir wurden. Was wir sind (3/3) - Wir sind wir!

Trailer

Samstag, 14.10.2017, 21.05 Uhr
Wh. SO 01.30 Uhr

Wie wir wurden. Was wir sind (1/3) Wir sind wer

Österreich nach dem Staatsvertrag. Man blickt auf ein Land, das sich großteils vom Krieg und seinen Folgen erholt hat. Österreich bleibt durch seine Neutralität weitgehend vom Kalten Krieg verschont, ist aber Bühne für die große Weltpolitik. In einer der heißesten Phasen des Kalten Krieges kommt es in Wien zu einem Gipfeltreffen der Regierungschefs der zwei Supermächte USA und Sowjetunion. Martha Kyrle, Tochter des damaligen Bundespräsidenten, erzählt von ihren Gästen Jacky Kennedy und Nina Chruschtschowa.

wie wir wurden, was wir sind

ORF/ORF III/Esther Pruckner

Martha Kyrle

Viele Österreicher können sich mit dem Verlust von Südtirol nicht abfinden, in den 1960er Jahren werden die ersten Sprengstoffanschläge in Südtirol verübt: Herlinde Molling schildert, wie sie Sprengstoff schmuggelte und selbst einen Strommasten sprengte.

In diesem Jahrzehnt findet auch das erste Volksbegehren der 2. Republik statt: Hugo Portisch und Gerd Bacher erläutern die Hintergründe, die zum Volksbegehren (Rundfunkvolksbegehren) und der ORF-Reform von 1967 führten.

Innenpolitisch ist diese Zeit ebenfalls sehr bewegt: Karl Blecha bekennt, dass er bis zum Wahltag 1970 nicht an einen Sieg Kreiskys glaubte, und Erika Pluhar schildert die Entstehung der Frauenbewegung in Österreich. Udo Jürgens sichert sich den ersten Platz beim Eurovision Songcontest und Karl Merkatz spricht über seine Rolle als Mundl in „Ein echter Wiener geht nicht unter“.

wie wir wurden, was wir sind

ORF/ORF III/Esther Pruckner

Karl Blecha

wie wir wurden, was wir sind

ORF/ORF III/Esther Pruckner

Karl Merkatz

Die Disqualifikation von Karl Schranz bei den Olympischen Spielen in Sapporo bewegte das Land wie kaum ein anderes Ereignis: Bei seiner Rückkehr nach Wien wurde er von vielen tausend Menschen bejubelt und wie ein Held gefeiert. Karl Schranz erinnert sich an diese Ereignisse und erläutert die Hintergründe.

Den traurigen Abschluss bildet der Überfall und die Geiselnahme in der OPEC Zentrale in Wien: Der Polizist Ernst Wallaschek berichtet von jenen Tagen.

22.00 Uhr
Wh. So 02.25 Uhr

Wie wir wurden. Was wir sind (2/3) Es muss sich was ändern

Am 21. Dezember 1975 betreten gegen 11:45 Uhr sechs Terroristen das OPEC-Gebäude. Sie tragen mit Waffen und Sprengstoff bepackte Sporttaschen bei sich und gelangen ungehindert in den ersten Stock. Dort treffen sie auf den Polizeibeamten Anton Tichler, der mit einem Kollegen, die Konferenz der Erdölminister bewacht. Mitte der siebziger Jahr ist die österreichische Polizei nicht auf die Bekämpfung von internationalen Terroristen vorbereitet. Die Geiselnehmer, unter ihnen auch zwei Deutsche, werden von einem international gesuchten Terroristen, Ilich Ramirez Sanchez genannt Carlos, angeführt. Neben politischen Forderungen zur Unterstützung des Kampfes der Palästinenser ist die Erpressung von Lösegeld Ziel der Gewaltaktion. Der eilig einberufene Krisenstab unter der Führung von Bundeskanzler Bruno Kreisky (1911-1990) gibt nach. Die Terroristen dürfen mit den als Geiseln genommenen Erdölministern mit einer AUA-Sondermaschine das Land verlassen. Innenminister Otto Rösch (1917-1995) verabschiedet den Terroristenchef persönlich. Dieser Handschlag sorgt in den österreichischen Medien für Diskussionen.

Anfang der siebziger Jahre gehen Frauen weltweit auf die Straßen: Sie kämpfen für eine Liberalisierung des Eherechts, Besserstellung in Gesellschaft und Beruf und Freigabe der Abtreibung. Die deutsche Feminismus-Ikone Alice Schwarzer hat auch großen Einfluss auf die österreichische Frauenbewegung. Erika Pluhar und Alice Schwarzer erzählen.

In den Jahren 1975 bis 1978 wird das Familienrecht unter Justizminister Christian Broda (1916-1987) umfassend reformiert. Die „partnerschaftliche Ehe“ tritt in den Vordergrund. Am 1. Jänner 1975 tritt in Österreich die sogenannte „Fristenlösung“ in Kraft. Nach dieser Regelung ist - ohne medizinische Gründe - der Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate straffrei.

Ende der siebziger Jahre gibt es fünf weibliche Regierungsmitglieder.

Am 1. August 1976 stürzt zwischen 04:53 Uhr und 04:55 Uhr die Reichsbrücke ein. Friedrich Fürst erzählt, wie er es gerade noch von der einstürzenden Brücke schaffte. Am Nachmittag des Tages, der mit dem Einsturz der Reichsbrücke begonnen hatte, verunglückte Niki Lauda beim „Großen Preis von Deutschland“: Sein Ferrari 312 T2 prallte gegen eine Felswand und ging in Flammen auf. Hans Joachim Stuck erinnert sich.

„Tooor, Tooor, Tooor - i werd’ narrisch!“ Jeder Österreicher kennt heute noch den legendären Ausruf von Edi Finger (1924-1989) beim 2:3-Sieg Österreichs gegen Deutschland: ein Ereignis, um das sich im Laufe der Jahrzehnte diverse Mythen gebildet haben, die Fußballboss Beppo Mauhart kritisch beleuchtet.

wie wir wurden, was wir sind. Generation Österreich 1977-1990

ORF/ORF III/Esther Pruckner

Fußball-Boss Beppo Mauhart über den »Córdoba-Mythos« an den er nicht glaubt.

Hannes Androsch wird im Alter von 32 Jahren Minister im Kabinett Kreisky I und gilt jahrelang als Kronprinz des Kanzlers. Anfang der achtziger Jahre sorgen der AKH und der Noricum-Skandal für Schlagzeilen. Auch das negierte Volksbegehren gegen den Bau des Wiener Konferenzzentrums schadet dem Ansehen der Regierung. Vizekanzler Androsch sieht sich nach jahrelangem Konflikt um seine Firma Consultatio gezwungen, aus der Regierung auszuscheiden.

Bundeskanzler Bruno Kreisky hat nach zwölf Jahren die absolute Mehrheit verloren und tritt 1983 zurück.

Der Ölschock macht bewusst, dass die Verfügbarkeit von Rohstoffen nicht selbstverständlich ist. Die Regierung Kreisky beschließt, dass Österreich wenigstens in der Stromerzeugung autark sein soll. Das Atomkraftwerk Zwentendorf wird gebaut. Zwentendorf und Hainburg verändern die österreichische Gesellschaft. Jetzt ziehen „Die Grünen“ ins Parlament ein.

wie wir wurden, was wir sind. Generation Österreich 1977-1990

ORF/ORF III/Esther Pruckner

Die Gründerin der „Grünen“ Freda Meissner-Blau über die Besetzung der Hainburger Au und die politischen Folgen.

1987 veröffentlicht der Journalist Hans Pretterebner das Buch „Der Fall Lucona“ gegen alle Widerstände im Eigenverlag. Udo Proksch (1934-2001) flüchtet ins Ausland, kehrt 1989 freiwillig zurück und wird verhaftet. Richter Hans Christian Leiningen-Westerburg bekommt den brisantesten Fall seiner Karriere zugeteilt. Der „Fall Lucona“ weitet sich zum politischen Skandal aus.

23.00 Uhr
Wh. So 03.20 Uhr

Wie wir wurden. Was wir sind (3/3) Wir sind wir!

Paul Lendvai erinnert an die Waldheim-Affäre. Mitten im Bundespräsidentenwahlkampf 1986 bricht die mediale Hölle aus: der ehemalige Oberleutnant Kurt Waldheim (1918-2007) wird von in- und ausländischen Medien beschuldigt, in Verbrechen der Wehrmacht bei der Partisanenbekämpfung verstrickt gewesen zu sein. Der frühere UN-Generalsekretär weist jede Schuld von sich. Am 8. Juni 1986 wird Kurt Waldheim mit fast 54 Prozent der Stimmen zum Bundespräsidenten gewählt.

Ein junger Wiener schafft das Unmögliche: „Rock me Amadeus“ wird Anfang 1986 in den USA zum Hit: Am 20. März wird der Titel Nummer 1 der Billboard-Charts und kann diesen Platz drei Wochen lang halten. Hans Hölzl alias Falco (1957-1998) wird über Nacht zum Weltstar.

Jung, sportlich, trendy gekleidet und immer einen flotten Spruch auf den Lippen - so einen Politiker hat es in Österreich bis jetzt nicht gegeben. Manche glauben, dass „der Jörg“ endlich mit allen Missständen aufräumen wird. Jörg Haider (1950-2008) ist seit wenigen Wochen Parteiobmann der FPÖ - Siegfried Kampl erzählt von seinem Aufstieg.

Wie wir wurden, was wir sind (5) Generation Österreich

ORF/ORF III/Esther Pruckner

Paul Lendvai

Wie wir wurden, was wir sind (5) Generation Österreich

ORF/ORF III/Esther Pruckner

Musiker Thomas Rabitsch begleitete Falco bei seinem Aufstieg zum Superstar

Am 4. November 1988 hat das Drama „Heldenplatz“ von Thomas Bernhard (1931-1989) unter der Regie von Claus Peymann Premiere. Herr und Frau Österreicher werden mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Namhafte Politiker verlangen die Absetzung des Stückes, das Bundespräsident Kurt Waldheim als „grobe Beleidigung des österreichischen Volkes“ bezeichnet.

Der Machtwechsel in Moskau und Michail Gorbatschows Kurs von Glasnost und Perestroika haben den Impuls für Veränderungen in Ungarn gegeben. Die Regierung von Miklos Nemeth beginnt im November 1988 mit der Einführung von Reformen wie der Aufhebung der Grenzsperren in Richtung Österreich. Anfang September 1989 öffnet Ungarn seine Grenze zu Österreich, was die Ausreise tausender DDR-Bürger zur Folge hat.

Der Name Franz Fuchs (1949-2000) ist heute noch jedem bekannt: eine Serie von Briefbomben erschüttert in den 1990er Jahren das Land; unter den Opfern ist der Ex-Bürgermeister von Wien Helmut Zilk (1927-2008). Untersuchungsrichter Erik Nauta berichtet darüber.

Wie wir wurden, was wir sind (5) Generation Österreich

ORF/ORF III/Esther Pruckner

Untersuchungsrichter Erik Nauta über die Tränen des Briefbombenattentäters Franz Fuchs bei den Vernehmungen.

Film von Gerhard Jelinek und Birgit Mosser-Schuöcker
Dokumentation, 2013


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Stille Nacht in Stalingrad

    Die Schlacht um Stalingrad hat sich traumatisch in das Bewusstsein von Deutschen und Russen eingeprägt. Überlebende deutsche und sowjetische Soldaten und Angehörige erzählen in bewegenden Interviews von Not und Verlassenheit.

  • Die Blockade von Leningrad

    „Ein kleiner Junge war gestorben und seine Mutter legte seinen Körper in den Fensterrahmen. ... Dann schnitt sie nach und nach Stücke von ihm ab, um ihre Tochter damit zu füttern.“ Die Blockade von Leningrad gehört zu den schlimmsten Gräueltaten Nazi-Deutschlands.

  • Weihnachten 1943: Die Schlacht um Ortona

    Die Dokumentation offenbart die wahre Geschichte über die blutigste und geheimnisvollste Schlacht auf italienischem Boden im Zweiten Weltkrieg.

  • Hitlers Angriff aus dem All: Das Geheimnis der V2

    Von der NS-Propaganda als „Wunderwaffe“ verklärt, sollte die V2 den Nazis im Zweiten Weltkrieg zum „Endsieg“ verhelfen.