Im Bett mit dem Feind - Liebe und Sex im besetzten Frankreich

Im Sommer 1940 eroberte Nazi-Deutschland Frankreich. Viele deutsche Soldaten gingen mit französischen Männern und Frauen Beziehungen ein. Seltenes Filmmaterial und Amateurfilme deutscher Soldaten zeigen die sexuelle Ausnahmesituation in der Zeit des Krieges und der Besetzung.

zeit.geschichte: Im Bett mit dem Feind - Liebe und Sex im besetzten Frankreich

Dokumentation (FRA, 2011) von Isabelle Clarke und Daniel Costelle

Samstag, 22.4.2017, 21.10 Uhr
Wh. So 09.50 und 22.55 Uhr, Mo 12.00 Uhr

Wenige Tage, nachdem die deutsche Wehrmacht im Sommer 1940 ihre Siegerparaden in Paris zelebriert hatte, begann die „horizontale Kollaboration“. Die sexuellen Beziehungen zwischen den deutschen Soldaten und den Französinnen, aus denen 200.000 Kinder geboren wurden, waren lange Zeit ein Tabuthema in Frankreich. Sie umfassten gelegentliche Kontakte, gewerbsmäßige Prostitution und echte Liebesgeschichten. Nach der Befreiung im Sommer 1944 wurden vielen Frauen, die sich mit Deutschen eingelassen hatten, öffentlich an den Pranger gestellt und die Haare geschoren; zweitausend der Kollaborateurinnen wurden erschossen. Der Film enthält völlig unbekanntes Archivmaterial, vielfach von den deutschen Besatzern gedreht.

Im Bett mit dem Feind - Liebe und Sex im Krieg

ORF/France TV/Karl Höffkes

Junge Frau in der Gesellschaft von einem Soldaten der Luftwaffe - Lunapark in Paris während der deutschen Besatzung

Im Sommer 1940 vollzog sich in Frankreich ein uraltes Ritual: Nach einem schnellen Sieg in einer bitteren kriegerischen Auseinandersetzung wandten sich viele Frauen den Eroberern zu: Junge Männer, gut gebaut, gut genährt, gut erzogen. Die Deutschen erlebten diesen Sommer wie im Rausch: Frankreich war ein mythisches Land, für die Besatzer gleich bedeutend mit Lebenslust. Wein, fabelhaftes Essen, freizügige, schöne Frauen. Das deutsche Oberkommando ließ über zweitausend Bordelle zu, um ihre Männer unter Kontrolle zu halten, und es gab daneben Gelegenheitsprostitution, weil Geld und Lebensmittel knapp waren, unzählige Affären und wirkliche Liebesgeschichten.

Standrechtlich erschossen

An die 200.000 Kinder sollen die Deutschen in den Jahren 1940 in Frankreich in die Welt gesetzt haben. Nicht nur junge Mädchen und unverheiratete Frauen ließen sich mit Deutschen ein, sondern auch Witwen auf Zeit, deren Männer in deutscher Kriegsgefangenschaft waren. Viele Frauen wurden nach der Befreiung im Sommer 1944 von der Résistance gejagt, brutal gedemütigt und bestraft: Sie wurden öffentlich an den Pranger gestellt, ihnen wurde der Kopf geschoren, sie wurden nackt durch die Straßen getrieben. Zweitausend wurden als Kollaborateurinnen standrechtlich erschossen.

Im Bett mit dem Feind - Liebe und Sex im Krieg

ORF/France TV/NARA

Massenverhaftungen in Lyon in 1944

Im Bett mit dem Feind - Liebe und Sex im Krieg

ORF/France TV/NARA

Kahlgeschorene Frauen bei Chartres im August 1944

Im Bett mit dem Feind - Liebe und Sex im Krieg

ORF/France TV/NARA

Convoy von Französischen Frauen im Jahr 1944

Dokumentation (FRA, 2011) von Isabelle Clarke und Daniel Costelle


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Baumeister der Republik - Franz Vranitzky

    Franz Vranitzky war 11 Jahre lang österreichischer Bundeskanzler. Er bekannte als erster österreichischer Politiker offiziell in einer Rede vor dem Nationalrat die Mitschuld der Österreicher am Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen. In seine Amtszeit fällt u.a. der Beitritt Österreichs zur EU.

  • Hannes Androsch. Ein politisches Portrait

    Anlässlich des 80. Geburtstages (18. April) von Hannes Androsch zeigt ORF III das TV-Portrait von Filmemacherin Helene Maimann, in dem sie die turbulente Laufbahn des Ex-SPÖ-Politikers und Industriellen, der einst mit nur 32 Jahren unter Bruno Kreisky österreichischer Finanzminister wurde, schildert.

  • Baumeister der Republik - Alfred Gusenbauer

    Die knapp zweijährige Kanzlerkarriere von Alfred Gusenbauer ist, abgesehen von der Christian Kerns, die kürzeste Amtszeit eines Kanzlers in der Zweiten Republik.

  • Baumeister der Republik - Werner Faymann

    Werner Faymann war acht Jahre lang - von 2008 bis 2016 - österreichischer Bundeskanzler. Davor war er Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie im Kabinett Gusenbauer.