ORF III Spezial

Unterwegs zu sich | Pilgerwege in Österreich

Jährlich machen sich Tausende auf, um im Wandern sich selbst und ihre Spiritualität zu finden. Besonders die seit dem Mittelalter bekannten Pilgerwege ziehen heute viele Menschen an. Florian Kröppel und Kurt Langbein begleiten drei Pilgergruppen, danach werden altbewanderte Pilgerrouten vorgestellt.

Unterwegs zu sich - In der Heimat und der Ferne

Dokumentation, 2017

Pilgerwege in Österreich

Dokumentation, 2016

Trailer: „Unterwegs zu sich | Pilgerwege in Österreich“ (19.4.2017)

Mittwoch, 19.4.2017, 20.15 Uhr
Wh. Do 03.55 Uhr

Unterwegs zu sich - In der Heimat und der Ferne

Dokumentation, 2017

Es ist eine alte Tradition, ja geradezu etwas Ur-Menschliches, das heutzutage eine ungeahnte Renaissance feiert: das Pilgern. Eine Mischung aus körperlicher Anstrengung, beeindruckendem Naturschauspiel und spiritueller Erfahrung. Es ist eine Wanderung, die ganz bewusst für Körper und Seele in Angriff genommen wird. Pilgern liegt seit Jahren im Trend. Nachdem Paulo Coehlo mit seinem „Jakobsweg“ und Hape Kerkeling mit „Ich bin dann mal weg“ alle Verkaufsrekorde gebrochen haben, haben sich auch Promis auf den Jakobsweg gemacht und das lukrativ vermarktet.

Heute geht es bei vielen nicht so sehr um religiöse Pflichterfüllung oder gar um Reliquienverehrung. Das individuelle Natur- und Körpererlebnis ist in den Vordergrund gerückt, und die Spiritualität des achtsamen Wanderns erlebt neue Kraft. Katharina Gsell auf dem Weg von Assisi nach Rom: „Ich bin noch nie ein paar Tage hintereinander gegangen. Da kriegt man Lust auf mehr auf jeden Fall!“

Viele traditionelle Pilgerwege sind mittlerweile revitalisiert und ziehen Jahr für Jahr mehr Menschen an. Zum Beispiel die Via Sacra, die Wien mit dem bekanntesten Österreichischen Wallfahrtsort Mariazell verbindet. Christa Englinger ist ausgebildete Pilgerbegleiterin und macht sich in diesem Jahr schon früh auf den Weg. Mit einer kleinen Gruppe erfahrener Pilger wandert sie zur „großen Mutter Österreichs“, wie die Holzstatuette der heiligen Maria in Mariazell auch genannt wird. „Das Pilgern, das ist was individuelles und im Mittelpunkt steht der Weg.“ meint Christa Englinger und will damit auch den Unterschied zur Wallfahrt herausstreichen. Während Wallfahrt meist in größeren Gruppen vonstatten geht, gehen Pilger alleine oder in kleinen Gruppen. Auch das ist eine Herausforderung, wie Josef Hlavac spürt: „Wenn ich alleine unterwegs bin als Pilger, dann vermisse ich meine Frau.“

Michael Leitgeb, Alexander Schönhart und Katharina Gsell machen sich zusammen mit dem Bergführer Giovanni Nori auf in Richtung Rom. Kein leichtes Unterfangen, denn als Startpunkt wählen die vier Assisi. Es ist der so genannte Franziskusweg, der diese beiden Städte miteinander verbindet. Auf die vier warten über 200 Kilometer Wegstrecke mit vielen kleineren und größeren Gipfeln. „Es gibt dann schöne Momente und an die erinnert man sich dann zurück - aber zu 90 Prozent ist es anstrengend!“, sagt Michael Leitgeb. Die Anstrengung wird aber durch beeindruckende Kultur, eine atemberaubende Landschaft und zahlreiche kulinarische Highlights belohnt. Dazu kommen die mittelalterlichen Städtchen, die den Franziskusweg so berühmt machen und die den Pilgern jedes Mal eine wohlverdiente Pause versprechen.

Vor allem am Franziskusweg erkennt man, dass das Pilgern sich von seinen streng religiösen Wurzeln emanzipiert hat. Das spirituelle Erlebnis entsteht nun vielmehr durch das meditative Gehen, die Natureindrücke und die Ruhe. Wer pilgert, kommt zu sich. Andreas Schönhart: „Während dem Wandern, während des Gehens diese Stille um mich herum. Aber auch die Stille in mir drinnen.“

Auch in größeren Gruppen können solche Erfahrungen gemacht werden. Alle drei Jahre pilgern die Judenburger von ihrem Ort ins kärntnerische Maria Waitschach. Mehr als 300 Menschen sind drei Tage unterwegs. Genug Zeit sich Gedanken über das Leben zu machen, wie wir erfahren dürfen. Ähnlich besinnlich, wenn auch auf eine ganz andere Weise, ist es bei den Alpenschamanen um Rainer Limpöck. Er führt eine Gruppe auf den Falkenstein beim Wolfgangsee um oben angekommen, ein uraltes Heil- und Fruchtbarkeitsritual zu zelebrieren.

Pilgerwege in Österreich

ORF/ORFIII/Christian Papke

Wolfgangsweg

21.05 Uhr
Wh. Do 04.45 Uhr

Pilgerwege in Österreich

Dokumentation, 2016

Einige der schönsten und ältesten europäischen Pilgerwege führen durch Österreich und werden noch heute frequentiert. Der Dokumentarfilm von Christian Papke macht sich auf den „Hemmapilgerweg“, den „Wolfgangweg“ und den „Weg des Buches“ - drei überregionale Pilgerwege in Österreich und Deutschland.

Durch schöne Naturlandschaften und entlang beeindruckender Kulturgüter begegnen dem Zuschauer Geschichten, die bereichern und zum Nachdenken anregen. Denn Pilgern ist Bewegung mit dem Geist und mit den Füßen. So erzählen Pilger, Wallfahrtsseelsorger und Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche von dieser bilderreichen Reise zu Gott und sich selbst.

Pilgerwege in Österreich

ORF/ORFIII/Christian Papke

Wolfgangsweg

Pilgerwege in Österreich

ORF/ORFIII/Christian Papke

Marienstatuette

Pilgerwege in Österreich

ORF/ORFIII/Christian Papke

Am Pilgerweg