ORF-Legenden: Fritz Eckhardt, Kurt Sowinetz und Günther Schifter

Georg Schütz wandelt in einer neuen Folge der „ORF-Legenden“ auf den Spuren von Schauspiellegende Fritz Eckhardt. Danach fragt die Doku „Kurt Sowinetz - Bei Regen und Wind“ warum das Multitalent nicht so prominent war wie etwa Helmut Qualtinger, und zuletzt präsentiert "Günther ‚Howdy‘ Schifter“ Österreichs ersten DJ.

Trailer: zeit.geschichte (15.4.2017)

Samstag, 15.4.2017, 20.15 Uhr
Wh. So 23.25 Uhr und Mi 13.10 Uhr

Fritz Eckhardt

Fritz Eckhardt kommt am 30. November 1907 in Linz als Sohn des Schauspielerpaares Helene Norman und Viktor Eckhardt zur Welt. Die Familie zieht bald nach Wien um, wo Fritz Eckhardt seine gesamte Jugend verbringt. Mit dem Theater kommt er durch seine Eltern sehr früh in Berührung und so steht es für ihn bald fest: er wird auch Schauspieler. Er absolviert die Akademie für Musik und Darstellende Kunst und beginnt 1924 seine Theaterkarriere als Eleve am Wiener Volkstheater neben Paula Wessely (1907-2000), Karl Paryla (1905-1996) und Siegfried Breuer (1906-1954).

Engagements in den Provinztheatern Reichenberg, Karlsbad und Bielitz folgen, bis er 1929 von den Theaterunternehmern Alfred und Fritz Rotter in Berlin engagiert wird. Nach der Machtergreifung Hitlers muss Fritz Eckhardt 1934 Berlin verlassen und kehrt nach Wien zurück. Dort spielt er zunächst in Stella Kadmons’ Kabarett „Der liebe Augustin“ bis Stella Kadmon 1938, nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland, flüchten muss. Ab 1939 schreibt Fritz Eckhardt für das Kabarett „Wiener Werkel“. Das „Wiener Werkel“ ist neben dem „Simpl“, das einzige Kabarett, das bis zur Theatersperre 1944 durchgängig Programme spielt und von den Nationalsozialisten einerseits für die Unterhaltung geduldet, andererseits streng überwacht wird.

Handwerker und Schauspieler

Fritz Eckhardt, als Halbjude vom Regime politisch und rassisch unerwünscht, kann, allerdings nur unter dem Decknamen seines Freundes Franz Paul, für das Wiener Werkel schreiben und verfasst in dieser Zeit auch „Das Chinesische Wunder“, ein Stück, in dem der Einmarsch Deutschlands in Österreich sehr gekonnt thematisiert wird und von Regimegegnern als auch von Regimeanhängern gleichermaßen interpretiert werden konnte. Offiziell ist Fritz Eckhardt in dieser Zeit als Handwerker engagiert und wird auch der Truppenbetreuung zugeteilt.

Nach dem Ende des Krieges übernimmt Fritz Eckhardt den „Lieben Augustin“ und führt als Direktor das Wiener Künstlertheater, mit dem er 1948 Pleite macht. In den folgenden Jahren spielt er in mehreren Filmen und Theaterstücken, unter anderem „Bruder Martin“ unter der Regie von Axel von Ambesser (1910-1988), bis er mit dem Aufkommen des Fernsehens seine Karriere als Autor festigt. Mit „Kommissar Marek“, der sehr bald als österreichische Version in die Serie „Tatort“ eingegliedert wird und der „Familie Leitner“ wird Fritz Eckhardt populär. Mit „Hallo - Hotel Sacher, Portier“ und „Wenn der Vater mit dem Sohne“ schreibt Fritz Eckhardt Fernsehgeschichte. Er stirbt am 31. Dezember 1995 in Klosterneuburg.

ORF-Legenden 
Fritz Eckhardt 
Originaltitel: Die Vorladung (AUT 1963), Regie: Herbert Fuchs, Georg Lhotzky

ORF

Fritz Eckhardt.

Gestaltung:
Georg Schütz

ORF-Legenden: Fritz Eckhardt
Dokumentation, 2017


Samstag, 15.4.2017, 21.00 Uhr
Wh. Mo 00.00 Uhr und Mi 12.25 Uhr

Kurt Sowinetz - „Bei Regen und Wind“

Kurt Sowinetz (1928-1991) sollte eigentlich in der allerersten Reihe der österreichischen Schauspieler stehen. Vom Volkstheater, über die Josefstadt bis zum Burgtheater - er hat stets bedeutende Rollen gespielt und hervorragende Kritiken bekommen.

Begonnen hat seine Karriere in diversen Kellertheatern in Wien bis sich sein Talent herumgesprochen hat und größere Engagements folgten. Mit seinen vielseitigen Fähigkeiten als Sänger und Kabarettist unterhielt er sein Publikum auch abseits der Theaterbühne und zeigt durch seine Lieder seine gesellschaftskritische Seite. Warum also ist er dem großen Publikum nicht so bekannt wie etwa sein Freund und Weggefährte Helmut Qualtinger (1928-1986)?

Die Dokumentation von Robert Tauber geht genau dieser Frage auf den Grund und beschreibt das Multitalent Sowinetz als Maler, Dampfmaschinenbauer und auch Bildhauer. Erzählt wird Sowinetz’ Leben von seiner Frau Inge, Tochter Dunja und einigen Schauspielkollegen, die ihn aus professioneller Sicht aber auch anhand von privaten Anekdoten als Ehemann und Familienvater beschreiben. Zahlreiche Aufnahmen aus dem ORF-Archiv untermalen die Erzählungen und zeigen seine Talente.

ORF-Legenden: Kurt Sowinetz - "Bei Regen und Wind" 
Originaltitel: Der Himbeerpflücker

ORF

Kurt Sowinetz, Helmut Qualtinger.

Kurt Sowinetz - „Bei Regen und Wind"
Dokumentation, 1976/2014


Samstag, 15.4.2017, 21.50 Uhr
Wh. Mo 00.50 Uhr, Mi 11.35 Uhr und 14.00 Uhr

Günther "Howdy“ Schifter

Die ORF Fernseh- und Radiolegende Günther „Howdy“ Schifter (1923-2008) steht im Mittelpunkt dieser Dokumentation. Mit seinem vielseitigen Schaffen hat er sich bis heute eine treue Fangemeinde erhalten. Seit 1955, dem Gründungsjahr des ORF, führte er im Fernsehen Interviews mit Größen der damaligen Zeit wie Josephine Baker, Yul Brynner, Benny Goodman, Walt Disney, Nat-King-Cole, Louis Armstrong uvm. Berühmtheit in den Herzen vieler Österreicher erlangte er als erster österreichischer Diskjockey, der jahrzehntelang die Österreichische Radio- und Fernsehgeschichte mitgeprägt hat.

Die ORF-III-Dokumentation widmet sich dem bewegten Leben des Schellacksammlers und Radiomoderators, das die technischen und politischen Umbrüche der letzten achtzig Jahre widerspiegelt. In der Welt der zwanziger und dreißiger Jahre aufgewachsen, entwickelt er eine Leidenschaft für den Jazz der Swing-Ära - und für die aufregend neue Unterhaltungstechnologie: Musik aus dem Plattenspieler, Musik aus dem Radio. Sein Interesse an beidem - Jazz und Radio - behielt er sein Leben lang bei.

ORF-Legenden: Günther "Howdy" Schifter

ORF

Günther Schifter in „Schellacks (1977)“.

ORF-Legenden: Günther „Howdy“ Schifter
Dokumentation, 2013


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Varian Fry - Der Retter von Marseille

    Er hatte weder die Ausbildung noch das Profil eines Geheimagenten. Aber Varian Fry lernte schnell. Und seine Mission wurde zur persönlichen Herausforderung: er ist entschlossen, so viele Menschen wie nur möglich vor den Nazis zu retten. Künstler wie Marc Chagall, Franz Werfel oder Max Ophüls verdanken ihm ihr Leben.

  • Stille Helden - Zivilcourage im Zweiten Weltkrieg

    Über Widerstand im ländlichen Raum wurde bis dato wenig berichtet. Diese Dokumentation erzählt von vier Menschen, die ihr Leben riskierten um andere zu retten: Anna Strasser, Anna Rohrhofer, Franz Lederer und Anton Posch.

  • Gerechte unter den Völkern: Ella Lingens

    Weil sie jüdische Familien versteckt, deportieren die Nazis Ella Lingens ins KZ Ausschwitz. Dort rettet sie als Ärztin unzähligen Inhaftierten das Leben.

  • Arisierung: Der große Raubzug | Die verlorenen Jahre

    Mit dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 wurde die jüdische Kultur in Wien ausgelöscht. Bis dahin war sie fixer Bestandteil - Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft waren - besonders in der Zeit der Jahrhundertwende - von den Wiener Juden geprägt.