Mythos Geschichte am Dienstag

Österreich damals: Unsere Kleidung

Mode ist eines unserer wichtigsten Ausdrucksmittel und das war auch früher schon so. Die Dokumentation führt uns von dem Korsett bis hin zu den ersten kurzen Röcken und zeigt, aus welchem Stoff die Generationen vor uns gemacht waren.

Mythos Geschichte -

Österreich damals: Unsere Kleidung

Dokumentation, 2017

Trailer 21.03.2017

Dienstag, 21.3.2017, 21.05 Uhr
Wh. Di 23.40 Uhr, Mi 05.05 Uhr und 23.25 Uhr, Do 13.45 Uhr

Mode ist eines unserer wichtigsten Ausdrucksmittel und das war auch früher schon so. Schwer war es für die Ärmeren, da sie in der Regel nur drei Gewänder besaßen - ein Alltagsgewand, ein Festtagsgewand und ein Wintergewand. Durch Details, Frisur und Auftreten konnten sie an ihrer Selbstpräsentation feilen. Die Oberschicht, insbesondere die feinen Damen, hatten oft kaum etwas Besseres zu tun, als sich mit ihrem Äußeren zu beschäftigen. Frauen aus gutem Hause zogen sich mehrmals am Tag um und jeder Garderobenwechsel war mit viel Zeit und hohem Arbeitseinsatz vom Personal verbunden.

Der moderne Held

Bei den Männern kommt am Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Mode auf. Bisher trugen sie bunte Kleider, hohe Krägen und protzige Schuhe. Nun sollen klare, einfache Linien und zurückhaltende Farben das Leitbild ausmachen. Der dreiteilige Anzug kommt auf und wird vor allem in dunklen, englischen Stoffen gefertigt. Damit ist die Uniform des modernen Helden kreiert. Der moderne Held ist ein aparter, gewissenhaft arbeitender Mann, der pünktlich im Büro ist. Damit er auf der sicheren Seite ist, werden auch im öffentlichen Raum erstmals Uhren aufgestellt. Mit der bürgerlichen Gesellschaft kommt mehr Struktur in den Alltag und gegenseitige Verbindlichkeiten bekommen einen höheren Wert in der Bevölkerung.

Österreich damals 
Unsere Kleidung

ORF/Familie rockt media

Englische Radrennfahrerinnen 1899.

Kleider machen Leute

Menschen brauchen ein Wirtschaftsumfeld in dem sie innovativ sein und auf Sicht bestehen können. Mit der Industrialisierung und der aufkeimenden bürgerlichen Gesellschaft, werden Privilegien weniger wichtig und es entstehen größere Wirtschaftsbetriebe, die neue Waren in den Wirtschaftsprozess einbringen. Gerade in Wien bedeutet das eine Hochblüte der Modewirtschaft. Textilhändler und Schneidersalons poppen auf und die feine Gesellschaft der Türkei und Russlands kommt nach Wien, um hier ihre neuen Roben anfertigen zu lassen. Erstmals werden in Wien Schuhe industriell gefertigt und auch nach Übersee exportiert. Wien ist das Modezentrum östlich von Paris.

Österreich damals 
Unsere Kleidung

ORF/Familie rockt media

Die Krinoline, damals unverzichtbar.

„Die Form wahren“

Was den Menschen bis in die 70er Jahre hinein sehr wichtig ist: die Form wahren. Ein Arzt muss aussehen wie ein Arzt, eine Dienstbotin wie eine Dienstbotin. Man erfüllt durchs Äussere seine gesellschaftliche Rolle. Ob die Kleidung komfortabel ist, spielt keine Rolle. Ärmere Arbeiterinnen nähen am Abend im Dunkeln an ihren Kleidern, um untertags möglichst ordentlich auftreten zu können. Die Männer putzen ihre Schuhe, ölen ihre Bärte und hüten sich, ohne Hut auf die Strasse zu gehen. Man tanzt nicht aus der Reihe und benimmt sich, wie es sich geziemt. Gefühlen werden nicht unkontrolliert freien Lauf gelassen - weder in Gesellschaft, noch im Briefverkehr. Die Etikette spielt immer eine Rolle. Die Verbeugung, der Knicks, die höfliche Einleitung in ein Gespräch, für alles gibt es Verhaltensregeln. Daher wird die Korsage auch nicht hinterfragt. Ob sie praktisch ist, interessiert niemanden. Wichtig ist nur, die geforderte Form zu wahren.

Österreich damals 
Unsere Kleidung

ORF/Familie rockt media

Das Textillager im Wien Museum, das Originalkleidung der letzten Jahrzehnte auf- und bewahrt.

Nach dem Krieg

Nach dem 1. Weltkrieg geht die Modeindustrie in Österreich zu Grunde. Früher profitierte es von offenen Grenzen und ihrem Einfluss in den Kronländern. Zölle und die unterschiedlichen Gesetzgebungen der neuen Nationalstaaten verhindern den europäischen Handel und den Wissenstransfer zwischen den Ländern.
Die Männer sind gefallen oder kriegsgeschädigt und die Frauen nehmen in den 20er Jahren ihr Leben selbst in die Hand. In den 20ern reichen die Kleider kaum bis zum Knie, von Korsett keine Spur, die Haare reichen grad übers Ohr und der Swing lässt jedes Körperglied wild rotieren. Mit der Zeit kommen die Männer langsam wieder an die Macht, die Röcke werden wieder länger. Erst nach dem 2. Weltkrieg verkürzen sich die Röcke wieder für eine Weile. Aber nicht aus Lockerheit, sondern weil es keinen Stoff mehr gab. „Vorkriegsstoffe“ werden wie wertvollste Ware in den Tauschhandel eingebracht. Wer einen Vorkriegsstoff hat, kann zu Essen und Zigaretten kommen.

Dokumentation, 2017


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Das weiße Ballett | Radetzkys berühmte Nachbarn

    Zwei Dokumentationen zeigen das Bundesgestüt Piber, die Ausbildungsstätte am Niederösterreichischen Heldenberg, die historischen Stallungen der Hofburg in Wien und die Alltagsarbeit der Pferde und ihrer Bereiter.

  • Lebensraum: Burgtheater

    „Theater muss auch verführerisch sein“ meint Michael Heltau. Für Peter Simonischek muss es „ein Ort der Turbulenzen“ sein. Die ORF III-Dokumentation portraitiert das Haus am Ring von seiner Entstehung unter Architekt Gottfried Semper bis in die Gegenwart unter der Leitung von Karin Bergmann.

  • Vieler Herren Häuser: Das Bundeskanzleramt

    In der „Mythos Geschichte”-Reihe „Vieler Herren Häuser” führt Karl Hohenlohe in „Das Bundeskanzleramt”.

  • Österreich damals: Unsere Sexualität

    Wie war das mit dem Sex in den vergangenen Jahrhunderten? Und warum taten Männer Jahrhunderte lang alles, um ihre Frauen nicht zum Höhepunkt zu bringen? Eine Geschichte über Tabus und Zwänge in der Sexualität.