zeit.geschichte am Samstag

Jahrzehnte in Rot weiß rot - Die 70er Jahre: Die Insel der Seligen

Peter Liskas Dokumentation ist ein analytisches Panoptikum der 1970er Jahre in Wort und Bild. Er zeigt, was den Kindern dieses Jahrzehnts an Werten und Idealen beigebracht wurde. Elisabeth T. Spira, Lukas Resetarits, Franz Klammer, Karl Blecha uvm. erinnern sich.

zeit.geschichte: Jahrzehnte in Rot Weiß Rot: Die 70er Jahre - Die Insel der Seligen

Dokumentation, 2012

Trailer 18.03.2017

Samstag, 18.3., 21.05 Uhr
Wh. So 01.35 Uhr, 09.00 Uhr, Mo 00.30 Uhr und Mi 12.45 Uhr

Die Anfänge der 70er Jahre sind geprägt von den Nachwirkungen des Aufstandes der Jungen gegen die Ideale der Väter: Studentenproteste, Flow-Power, „Make love not war“. Es ist auch das Jahrzehnt des Aufbruchs, Fortschritts, der Vollbeschäftigung und großer sportlicher Erfolge.

Jahrzehnte in rot weiß rot, die 70er Jahre

ORF

Bruno Kreisky (1911-1990)

Goldene Jahre, in Österreich politisch dominiert von einem Mann: Bruno Kreisky - Sozialist, Intellektueller, als Jude während des Nationalsozialismus vertrieben - wird Bundeskanzler. Er will den Heimatbegriff aus der provinziellen Enge holen, das Land öffnen. Die Österreicher sollen sich als Europäer fühlen. Dreimal bekommt er die absolute Mehrheit, bildet Alleinregierungen, lässt Oppositionsführer verzweifeln.

Jahrzehnte in rot weiß rot, die 70er Jahre

ORF

Umweltschutz: In den frühen 70ern noch kaum vorhanden.

Der Wohlstand wächst, die Welt wird schneller, moderner. Jetzt kommen auch Gesellschaftsschichten zu Wohlstand, die bis dahin kaum eine Chance gehabt hatten. Die Begleiterscheinungen sind nicht nur positiv: Frauen arbeiten Akkord, Kinder müssen sich auf Betonspielplätzen austoben, Radfahren und Fußballspielen vielerorts verboten, zu gefährlich, zu laut. Müllberge wachsen, pflegebedürftige alte Menschen werden oft in Altersheime „abgeschoben“.

Jahrzehnte in rot weiß rot, die 70er Jahre

ORF

Franz Klammer

Auch das Fernsehen bzw. der ORF prägen dieses Jahrzehnt. Sportidole werden zu Nationalhelden: Annemarie Pröll, Karl Schranz, Franz Klammer, Hans Krankl, Jochen Rindt, Niki Lauda.

In Österreich ist man stolz auf die 42-Stunden-Woche, Vollbeschäftigung, den starken Schilling, vier Wochen Mindesturlaub, Gratisschulbücher, freien Universitätszugang. Auf den längsten Straßentunnel und auf die erste U-Bahn.

Und die Demokratie macht’s möglich: dagegen sein, protestieren, demonstrieren, agitieren. Die Zivilgesellschaft beginnt sich zu formen und zu regen. Erstmals wird Widerstand gegen Kraftwerke laut, gegen Naturverschandelung, Bauprojekte. In Molln gehen die erbosten Bewohner auf die Straße, sie wollen keinen Staudamm in ihrer Ortschaft, in Wien muckt die Jugend auf, besetzt alte Fabriken, fordert Autonomie, Jugendzentren, Freiheit. Selbst Kreisky unterschätzt Ende der 70er Jahre den Protest. Der Zeitgeist ist freier geworden, ist nicht mehr so leicht einzufangen und einzuschätzen, er lässt sich nicht mehr so leicht manipulieren und politisch glattbügeln. Am Ende des Jahrzehnts ist Kreisky am Höhepunkt seiner Macht. Kein Politiker der Zweiten Republik - weder davor noch danach - hat je so viel Zuspruch erfahren.

Regie: Peter Liska
Dokumentation, 2012


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Der Zweite Weltkrieg in Farbe

    Im März 1945 überschreiten die Alliierten den Rhein, im April erreicht die Rote Armee Berlin. Deutschland kapituliert. Der Pazifikkrieg wendet sich im Frühjahr 1943: die Vereinten Nationen haben den japanischen Vorstoß gestoppt und greifen nun an zwei Fronten an. Doch erst mit dem Einsatz der Atombombe kann Amerika Japan zur Kapitulation zwingen.

  • Die Verbrechen der Befreier - Amerikas dunkle Geheimnisse im Zweiten Weltkrieg

    Studien des US-Kriegsministeriums, die auf überproportional viele Übergriffe von US-Soldaten hinwiesen, wurden für geheim erklärt. ORF III zeigt den Streit um Disziplin und Militärjustiz mit enthüllenden Dokumenten und bewegenden Aussagen von US-Soldaten und Opfern.

  • Nordkorea

    Der Test einer Wasserstoffbombe durch Pjöngjang versetzt Südkorea und die USA in Alarmbereitschaft. Erstmals scheint die Gefahr, eine mit Atomsprengköpfen ausgestattete Rakete könnte von Nordkorea aus die USA erreichen, real. Diktator Kim Jong Un nannte seine Rakete ein „Geschenk“ für die „amerikanischen Bastarde“ zum Unabhängigkeitstag der USA.

  • Korea - Der vergessene Krieg

    Als der Koreakrieg am 27. Juli 1953 mit der Unterzeichnung eines Waffenstillstandabkommens endet, sind 940.000 Soldaten gefallen. Einen Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea gibt es bis heute nicht. Der Koreakrieg ist einer der ersten Kulminationspunkte des Kalten Krieges, ein Stellvertreterkrieg zwischen Ost und West.