Mythos Geschichte am Dienstag

Erzherzog Johann - Visionär und Menschenfreund

Alfred Ninaus beschäftigt sich in seiner Dokumentation mit einer der spannendsten und prägendsten Persönlichkeiten der Habsburger-Dynastie.

Mythos Geschichte: Erzherzog Johann - Visionär & Menschenfreund

Dokumentation, 2009

Trailer: „Mythos Geschichte“ (13.6.2017)

Dienstag, 13.6.2016, 22.45 Uhr
Wh. Mi 01.10 Uhr, Do 01.15 Uhr,

Der Bruder des österreichischen Kaisers Franz hat mit teilweise revolutionären Ideen die Kultur-, Bildungs- und Wirtschaftslandschaft Österreichs geprägt. Erzherzog Johann (1782 - 1859) steht in einer Reihe mit dem großen Reformer Kaiser Josef II. und Kaiserin Maria Theresia.

Ursprünglich für die militärische Laufbahn bestimmt, entwickelt Johann früh sein Interesse für Natur, Technik und Landwirtschaft. Er sammelt Mineralien, ist Alpinist und Jäger. In den Napoleonischen Kriegen war Johann Feldmarschall und Generaldirektor für das Genie- und Fortifikationswesen.

Am 3. Dezember 1800 verliert er die Schlacht bei Hohenlinden und kämpft 1805 gegen Franzosen und Bayern. 1808 organisiert er in Tirol und Innerösterreich die Landwehr für den Volkskrieg gegen Napoleon, fördert 1809 den Tiroler Freiheitskampf Andreas Hofers und übernimmt den Oberbefehl über die Südarmee gegen Napoleons General E. Beauharnais. Er siegt bei Sacile, wird aber bei Raab geschlagen.

In der Steiermark

Wegen seiner Teilnahme am Alpenbund und nach der Niederschlagung des Tiroler Volksaufstands verbot ihm sein kaiserlicher Bruder, Tirol zu betreten. Deshalb wandte er sich der Steiermark zu. Für das Land wird er zum Segen: 1811 legt er durch Stiftungen und die Schenkung seiner Sammlungen den Grundstein für das Joanneum in Graz. Institutionen wie das Steiermärkische Landesarchiv (1817), die berg- und hüttenmännische Lehranstalt in Vordernberg (ab 1849 in Leoben, Montanuniversität Leoben), die Steiermärkische Landwirtschaftsgesellschaft (1819), die Wechselseitige Brandschadenversicherungsanstalt, die Steiermärkische Sparkasse (1825), die Landesoberrealschule (1845), der Historische Verein für Steiermark (1850) basieren im Wesentlichen auf den Anregungen von Erzherzog Johann.

1818 erwirbt er den Brandhof bei Mariazell und macht daraus ein alpenländisches Mustergut. 1822 erwirbt er in Vordernberg zwei Radwerke und Eisengewerke, wobei er auch durch die Gründung der Vordernberger Radmeister-Communität den Erzabbau und die -förderung auf dem steirischen Erzberg revolutionierte (1835 Erste Eisenschienenbahn auf dem europäischen Kontinent).

Durch Erwerb einer Blechfabrik in Krems bei Voitsberg und von Kohlengruben bei Köflach wird er auch zum Fabrikant und Kohlengewerk. 1841 kauft er die Herrschaft Stainz mit dem ehemaligen Chorherrenstift, wo man ihn 1851 auch zum ersten frei gewählten Bürgermeister kürt.

Sein besonderer Verdienst ist die Durchsetzung der Trassierung der Südbahn von Wien nach Triest über den Semmering und durch Mürz- und Murtal nach Graz. Johanns Volksverbundenheit äußerte sich in engen Kontakten zu den Menschen, dem Tragen der einheimischen Tracht, dem „Steireranzug“, dem Sammeln und der Förderung der materiellen und geistigen Kultur des Landes.

1829 heiratet er die Ausseer Postmeisters-Tochter Anna Plochl, deren Nachkommen den Titel „Grafen von Meran“ erhielten. Sein autobiographisches Werk „Der Brandhofer und seine Hausfrau“ ist von dieser Lebenshaltung bestimmt. Johann umgab sich mit zahlreichen Künstlern („Kammermaler“) und Wissenschaftern.

1848 wird er Stellvertreter des Kaisers und eröffnet den konstituierenden Reichstag in Wien. Die gesamtdeutsche Frankfurter Nationalversammlung wählte ihn 1848 zum Reichsverweser, 1849 legt er dieses Amt jedoch wieder zurück.

Johann liegt in Schenna bei Meran in Südtirol begraben.

Erzherzog Johann - Visionär & Menschenfreund

ORF/Ran-Film

Erzherzog Johann - Visionär & Menschenfreund

ORF/Ran-Film

Erzherzog Johann - Visionär Menschenfreund

ORF/Ran-Film

Sigfried Klinger, Eduard Bauer, Christian Hölbling, Josef Niederl, Alfred Ninaus, Hans Magenschab, Gerhard Jelinek

Gestaltung: Alfred Ninaus

Dokumentation, 2009


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Im Schatten des „Dritten Mannes“

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    Der Doku-Zweiteiler untersucht die Theorie einer Verschwörung in Amerika und die Wahrheit hinter den Gerüchten, die sich um den Geheimbund der Freimaurer ranken.

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    Sie fühlen sich allein dem idealisierten Mensch verpflichtet, der auf dem Weg zur Erkenntnis alles Schlechte in einem harten Läuterungsprozess zurück lässt, sagen Freimaurer von heute. Warum agieren sie dann im Verborgenen?

  • Dokumente, die die Welt bewegen

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