Artist in Residence am Donnerstag

Attica!

Diese Ausgabe der ORF-III-Sendeleiste für innovative Medien- und Performancekunst stellt die gewohnt passive Rolle des TV-Zusehers in Frage. Neben dem inhaltlichen Bogen, der vorführt, wie aus einer Kleinigkeit ein bewaffneter Konflikt erwachsen kann, ist das Kunstprojekt primär ein Plädoyer für die Mündigkeit der Zuseher.

Donnerstag, 5.11.2015, 23.30 h
Wh. Fr 04.25 Uhr, Sa 04.30 Uhr und Mo 04.25 Uhr

„Attica!“, von Gero Dennig, Alexander Felch und Michael Tripolt konzipiert und produziert, ist ein Fernsehfilm, der als medientheoretische Arbeit genauso funktioniert, wie als illustriertes Hörspiel.

Ein Kammerspiel im unendlichen Raum der Greenbox, eine literarische Arbeit, die mit Mitteln des Theaters, filmisch umgesetzt wird. Ausgehend von einer (geschriebenen) Erzählung, wird eine Welt entworfen, die vorwiegend in der Fantasie und Vorstellungskraft des Publikums entsteht. Es ist dies die Welt, die sich „hinter“ dem tatsächlich gezeigten Bild verbirgt, die „geheime“ Bildebene, die sich der Zuseher subjektiv selbst kreiert. Die tatsächlich dargestellte Welt ist eine, in der die meisten Dinge nur behauptet und angedeutet werden. Genauso, wie Film und Fernsehen also funktionieren, während sie gleichzeitig vorgeben die Realität abzubilden.

Artist in Residence 
Attica!

ORF/ORF III/Gero Dennig, Alexander Karl Felch und Michael Tripolt

Artist in Residence 
Attica!

ORF/ORF III/Gero Dennig, Alexander Karl Felch und Michael Tripolt

Wenn die Darsteller abstürzenden Hubschraubern nachblicken oder in zahllosen Explosionen zerfetzt werden, während sie sich in einen blutigen Bürgerkrieg stürzen, sind sie auf die Fähigkeit des Publikums angewiesen, ihnen Glauben zu schenken, dass alles das wirklich passiert. Unterstützt werden sie dabei nur von einem Erzähler, der die Handlung trägt, dezentem Kostüm und Requisite und umfassendem Sounddesign. Denn da, wo in der modernen Filmproduktion die Postproduktion ansetzt, um rund um die handelnden Akteure eine (digitale) Welt zu entwerfen, bleibt nur grüne Projektionsfläche. So ist „Attica!“ nicht nur ein politisches Statement, das zeigt wie aus einer Kleinigkeit ein bewaffneter Konflikt entstehen kann, sondern vor allem auch ein Plädoyer dafür, seinen eigenen Verstand zu benutzen, konsumierte Bilder und Realitäten zu hinterfragen – und letztlich auch einfach dafür, wieder mehr Bücher zu lesen. Schwarz auf weiß.

Artist in Residence 
Attica!

ORF/ORF III/Gero Dennig, Alexander Karl Felch und Michael Tripolt

Artist in Residence 
Attica!

ORF/ORF III/Gero Dennig, Alexander Karl Felch und Michael Tripolt

„Attica!“ forciert die Mündigkeit des Publikums, fordert es auf, seine Fantasie und Vorstellungskraft mehr als gewohnt einzusetzen. Nach der Sendung soll das Gefühl überwiegen, ein gutes, spannendes Buch gelesen zu haben - gefolgt von der Vorfreude auf die Fortsetzung.

Das Erlebnis eines Buchs mit Mitteln des Theaters, filmisch übersetzt ins Sendeformat. Das Verhältnis der Zuseherinnen und Zuseher zum Fernsehen ihres Vertrauens wird so ins Bewusstsein gerückt, denn am Ende hat jeder seinen eigenen Film gesehen, auch wenn das grün für alle gleich grün war.


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Bruno Hoffmann - Bitte entschuldigen Sie die Störung

    Der Künstler widmet sich der Bedeutung der Leerstellen des Systems Fernsehen, indem er die Unterbrechung im Programmfluss und die daraus resultierende Pause, den Umgang der Fernsehmacher mit Störungen, und die Defekte und ihre Rückschlüsse auf die Machart von Systemen reflektiert.

  • Free Lunch Society Talk Show

    Das bedingungslose Grundeinkommen - die Argumente dafür und Stereotypen dagegen - ist Thema von Christian Tods Filmkunstwerk.

  • Thomas Taube: „Sorry that I asked“

    7 Kernbereiche des Mediums Fernsehen reflektieren sich selbst auf ihrer Suche und ihrem schizophrenen, einsamen Weg durch die verlassene Hülle des Fernsehens. Die Geschichte spielt in einer unklaren, nicht weiter definierten Zukunft. Ob es in dieser Zukunft das Medium noch gibt, ist dabei völlig offen.

  • ENDZEIT und Zoon Politikon

    Pixel, Bytes & Film zeigt Anna und Jan Groos Tragikomödie aus 2015 „ENDZEIT“ und das dazugehörige TV-Special „Zoon Politikon“.