40 Denkmäler

Evangelische Turmschule Tauchen

Anhänger des protestantischen Glaubens hatten es im streng katholischen Habsburger Reich nicht immer leicht. Ob ihres religiösen Bekenntnisses wurden viele ins Exil getrieben oder hatten bis zur Aufklärung im 18. Jahrhundert strenge Auflagen – so zum Beispiel bei der Ausgestaltung ihrer Kirchen - zu befolgen.

Die Direktorin des Jüdischen Museums Wien - Danielle Spera begab sich anlässlich unser Serie über österreichische Denkmäler auf Spurensuche ins Burgenland. Außerdem traf sie den Kurator der Turmschule Tauchen - Gerald Hutter.

Der Film:

Die kleine Ortschaft Tauchen gehörte, wie das ganze Burgenland, bis 1920 zum Königreich Ungarn. An der alten Landstraße, steht als geistiger und baulicher Mittelpunkt der Gemeinde, das ehemalige evangelische Schul- und Bethaus mit einem über dem Eingang hoch aufragenden Glockenturm.

Diese Bethäuser durften nicht Kirchen genannt werden und es gab Restriktionen für deren Ausgestaltung. Das Portal musste auf der strassenabgewandten Seite sein, Rundfenster waren verboten, aber vor allem durften sie keinen Turm besitzen.

Nach zweijähriger Bauzeit und der finanziellen Unterstützung über 20.000 Kronen, von vielen Gemeindemitgliedern, die längst in die USA ausgewandert waren, konnte dieses Gebäude 1910 feierlich eingeweiht werden.

Gerade in diesen entlegenen, dafür beinahe vollständig evangelischen, Gemeinden wurden diese Bauten mit Mehrzweckcharakter errichtet, um vor allem die Schulwege der Kinder zu verkürzen.

Auf Grund gesunkener Schülerzahlen haben die Turmschulen ihre Funktion als reguläres Schulgebäude verloren, die Klassenräume werden jedoch als Veranstaltungszentren und nach wie vor für Gottesdienste genutzt.

ORF III Doku-Reihe, 2013/2014