treffpunkt medizin am Mittwoch

Hungern und Heilen: Jünger durch Fasten?

Kein Alkohol, kein Fleisch, keine Genussmittel? Fasten kann gewisse Krankheiten lindern, davon sind manche Mediziner überzeugt. Und auch zur verjüngenden Wirkung des „Hungerns“ wird geforscht. tpm hinterfragt die Wirkung des Fastens.

treffpunkt medizin: Hungern & Heilen: Jünger durch Fasten?

Dokumentation, 2017

Mittwoch, 14.2.2018, 21.55 Uhr
Wh. Do 02.25 und 05.05 Uhr,
Sa 03.05 und 05.50 Uhr,
Mo 03.05 Uhr, Di 05.55 Uhr

Das Kloster Pernegg im niederösterreichischen Waldviertel ist ein Ort der Stille. Gegründet 1153 als Chorfrauenkloster hat es sich in den letzten Jahren zu einem Rückzugs- und Erholungsort entwickelt. Wer hierher kommt, will seine Balance und den Ausgleich vom Alltagsstress finden. Umgeben von alten Gemäuern, abgeschieden in der Natur, unternimmt man Wanderungen, macht Yoga- oder Meditationsübungen.

Im Vordergrund steht, einmal bewusst kürzer zu treten. Das betrifft vor allem die Nahrungsaufnahme. Denn der versprochene Benefit soll vornehmlich durch eines erzielt werden. Das Fasten. Abgesehen von der Abendsuppe besteht die tägliche Mahlzeit aus einem Vitamindrink, der ganz bewusst in andächtiger Stille eingenommen wird. Es mag in einer Wohlstandsgesellschaft wie der unsrigen ungewöhnlich wirken, doch für die Teilnehmer ist der hier gelebte Verzicht eine Bereicherung.

Fastenkuren wie diese erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Und auch in alltäglichen Ernährungskonzepten hat die Jahrtausende alte Tradition des Fastens Einzug gefunden. Längst geht es dabei nicht mehr nur um Gewichtsreduktion. Neue Forschungserkenntnisse sprechen dem Fasten heilende Kräfte zu, die sogar den Alterungsprozess verlangsamen können.

Was einst hauptsächlich mit religiösen Traditionen von Aschermittwoch, Karfreitag oder Ramadan verbunden wurde, wird nun in Forschungslabors auf seinen biomedizinischen Mehrwert untersucht. Können diese Versprechungen wissenschaftlichen Kriterien standhalten? Wie funktioniert richtiges Fasten? Und wie sinnvoll ist es, den rein körperlichen Prozess zu analysieren?

Im kulturellen Kontext war das Fasten ein Ausgleich zu Festtagen. Doch unsere Gesellschaft macht es mittlerweile möglich, jeden Tag zum Festtag zu erklären. Und wenn es auch einmal keinen Grund zum Feiern gibt, so haben sich unsere Lebensumstände an ein Überangebot an Nahrung gewöhnt. Ein Selbstverständnis, das Konsequenzen hat.

Was passiert mit dem Körper, wenn ihm die Nahrung vorenthalten wird?

Auf den ersten Blick erscheint es ein wenig befremdlich, den Körper künstlich in eine Notsituation zu bringen, die ihn die eigenen Ressourcen abbauen lässt. Daher sollte man nicht unbedacht fasten. Der Körper kann zwar eine Zeit lang ohne Nahrung auskommen, aber Flüssigkeit ist für ihn unverzichtbar.

Wie wirkt sich der Nahrungsverzicht aus? Sind wir während einer Fastenperiode in unserem Tun limitiert? Wie gut steckt der Organismus den Mangel weg? Fasten kann viele Vorzüge haben. Für eines ist es allerdings nur bedingt geeignet: wer hofft, durch eine radikale Hungerkur sein Idealgewicht zu erreichen, wird zumeist rasch von der bitteren Realität eingeholt.

Der Apfel als Symbol des Fastenbrechens am Ende der Fastenzeit

Auch wenn Viele die Phase des Verzichts als sehr erfüllend bezeichnen, kann danach die Verführung groß sein, wieder in alte Muster zu verfallen. Aus diesem Grund hat sich zusätzlich eine andere Form der Nahrungsabstinenz etabliert. Das Intervallfasten oder auch intermittierendes Fasten genannt. Anstelle einer zeitlich begrenzten Fastenzeit, werden dabei die Hungerphasen stunden- oder tageweise in den Alltag eingeflochten.

Dass die Ernährung und das Krebsrisiko miteinander verflochten sind, gilt mittlerweile als bewiesen. Doch inwieweit das Fasten die Therapie beeinflussen kann, bedarf wohl einer genaueren Erklärung. Der Vorgang des Zellrecycling ist mit ein Grund, warum inzwischen auch ein anderer Zweig der Medizin großes Interesse an den Auswirkungen des Fastens entwickelt hat.

Wenig oder gar nichts essen als günstige Anti-Aging Methode?

Wissenschafter zeigen sich optimistisch ob der verjüngenden Wirkung des Fastens. Noch steckt viel Theorie und Vermutung in diesen Ansätzen. An den ersten relevanten Langzeitstudien wird noch gearbeitet.

Unabhängig vom Prozess der Autophagie hat der Trend um das Fasten zu vielen Mythen geführt. Oft fallen dabei Begriffe wie Entgiften, Entsäuern oder Entschlacken. Wie so oft entwickelt sich aus Trends auch eine kommerzielle Perspektive. Gerne werden dabei Hilfsmittel angepriesen, die man begleitend zum Fasten einnehmen kann und die die positiven Effekte verstärken sollen. Eine kritische Auseinandersetzung erscheint hier notwendig.

treffpunkt medizin 
Hungern & Heilen: Jünger durch Fasten?

ORF/ORF III

DDr. Johannes Huber

Dokumentation, 2017


Weitere Sendungen dieser Reihe:

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