Naturfilm am Donnerstag

Wilde Reise mit Erich Pröll: Plitvice - Land der fallenden Seen

Erich Pröll führt in die mehrfach cineastisch verewigte Traumlandschaft der Plitvicer-Seen - auch „Garten des Teufels“ genannt - an der bosnisch-kroatischen Grenze.

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Donnerstag, 23.10.2014, 20.15h
Wh. Fr 10.20 Uhr und Sa 11.25 Uhr
Die Sendung im Internet: tvthek.orf.at

16 kristallklare Seen, in spektakulären Terrassen angeordnet, durch unzählige Wasserfälle und Stromschnellen verbunden - das sind die fallenden Seen von Plitvice in Kroatien, dem ersten Nationalpark Europas.

Die fallenden Seen verdanken ihre Existenz einem biologischen Phänomen: das stark mit Kalk angereicherte Karstwasser aus dem Dinarischen Gebirge lagert sich an Moosen an, Pflanzen und Kalk bilden gemeinsam ein spezielles Gestein - Travertin. In Plitvice verwandelt sich Wasser zu Stein, man nennt es nicht umsonst „Das Land, wo die Steine wachsen“.

Zwischen einem und drei Zentimeter pro Jahr wachsen die Travertin-Terrassen und schaffen ständig neue Becken und Barrieren, Wasserstürze und Kaskaden.

Plitvice - Land der fallenden Seen

ORF/ScienceVision/Rita Schlamberger

Wasserfälle bei Plitvice.

Kriegsgebiet

Doch nicht nur die Naturgeschichte dieser Seen-Landschaft ist immer in Bewegung, auch politisch hat der älteste Nationalpark Europas eine wechselvolle Vergangenheit hinter sich. Während des Balkankriegs war das Land der fallenden Seen militärisches Kampfgebiet, die einmaligen Travertin-Terrassen waren vermint und wiederholt von Sprengung bedroht. Wenn auch die Katastrophe ausblieb, die Anwesenheit von Truppen in der fragilen Ökologie des urtümlichen Waldes hinterließ deutliche Spuren: Hirsche und Rehe sind in Plitvice deutlich seltener als in vergleichbaren Naturräumen, die Soldaten schossen weite Teile des Waldes leer - aus Langeweile oder zur Verpflegung.

Plitvice - Land der fallenden Seen

ORF/ScienceVision/Rita Schlamberger

Bär im Nationalpark Plitvice

Voller Leben

Heute erinnert wenig an diese brutale Vergangenheit - die riesigen Buchenwälder von Plitvice sind voll mit Leben: Hier findet sich nicht nur die größte Braunbären-Population Europas, auch große Wolfsrudel und Luchse in stattlicher Zahl durchstreifen den Wald rund um die Kaskaden und Seen. Im klaren Wasser tummeln sich einige der rarsten Europäer: Sumpfschildkröten und Flusskrebse sind in den meisten anderen Gegenden des Kontinents seit Jahrhunderten ausgerottet.

Baby-Drachen

Sagenumwobene Bewohner verbergen sich tief in den Karsthöhlen des Dinarischen Gebirges - man hielt sie Jahrhunderte lang für „Menschenfischlein“ oder Baby-Drachen: Die bleichen Grottenolme sind blinde Höhlenbewohner mit einem sechsten bioelektrischen Sinn und Talent zum Hungerkünstler: Sie können ein Jahr ohne Nahrungsaufnahme überleben. Sie sind eine biologische Spezialität der Region und kommen sonst nirgendwo auf der Welt vor. Dieses exklusives Schicksal teilen sie mit ihren Nachbarn, der Bergmaus - der Maus mit dem größten Mauseloch der Welt: Sie leben ebenfalls in den riesigen Höhlensystemen, die das Wasser aus dem Karst gefressen hat. Doch anders als die räuberischen Grottenolme müssen die Bergmäuse regelmäßig an die Oberfläche, um nach Pflanzennahrung zu suchen.

Plitvice - Land der fallenden Seen

ORF/ScienceVision/Rita Schlamberger

Teil eines Kaskadenbeckens

Überirdisch schön

Regisseur Michael Schlamberger zählt zu jenen österreichischen Naturfilm-Regisseuren, die in den vergangenen Jahren auf internationalen Festivals die meiste Aufmerksamkeit erregten. Das „Land der fallenden Seen“ bot dem Regisseur reichlich Gelegenheit, seine Stärken zu zeigen: plastische, extrem prägnante Naturpanoramen - kombiniert mit präzise beobachtetem Tierverhalten. „Die Seenlandschaft ist wirklich fast überirdisch schön“, sagt Schlamberger: „Uns ist bei den unglaublichen Formen und Bewegungen des Wassers oft vor Staunen der Mund offen stehen geblieben. Und ich glaube, der Film transportiert etwas von dieser Faszination.“

Plitvice - Land der fallenden Seen

ORF/ScienceVision/Rita Schlamberger

Übersichtsaufnahme der mächtigen Plitvice Wassefälle

Vor dieser imposanten Szenerie gelangen aber auch viele spannende und einige extrem charmante Tieraufnahmen. So tat ein Braunbär dem Filmteam den Gefallen, sich direkt vor ihnen bäuchlings in ein Schlammloch zu legen und alle Viere von sich zu strecken: „Ich musste mir auf die Lippen beißen“, erzählt Schlamberger: „Dieses riesige, respekteinflößende Tier schaute plötzlich so tollpatschig aus. Zum Glück konnte ich mich beherrschen, deshalb kann man jetzt erstmals die Fußsohlen eines Braunbären bewundern.“

Plitvice - Land der fallenden Seen

ORF/ScienceVision/Rita Schlamberger

Luftaufnahme: Plitvicer Seen

Einige Wochen später gelang es dem Team sogar, den großen Showdown zwischen den eindrucksvollsten Bewohnern von Plitvice zu filmen: Einen Braunbären, der versucht, einem Rudel Wölfe die Beute abspenstig zu machen.

Moderation: Erich Pröll

Film von Michael Schlamberger
Dokumentation, 2004


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Eisige Welten - Von Pol zu Pol (1/5)

    Die fünfteilige Dokumentation „Eisige Welten“ zeigt die fantastischen Landschaften jenseits der Polarkreise sowie ihre Bewohner auf und unter dem Eis im Verlauf der Jahreszeiten.

  • Schladminger Bergwelten

    Die zweiteilige Dokumentation gibt Einblick in die bunte Tierwelt zwischen Dachstein und Niederen Tauern, und erzählt von Blüte und Niedergang der Silberbergbaustadt Schladming, den Zeiten, als das Ennstal noch Bollwerk der Reformation war und der Entwicklung zur Kultur- und Tourismuslandschaft von heute.

  • Wilde Reise mit Erich Pröll: Pferdemenschen (3/3)

    In drei Filmen besucht Erich Pröll faszinierende „Pferdemenschen“, die eine besondere Beziehung zu den edlen Tieren haben und Einblicke in ihre Geheimnisse der Kommunikation und Ausbildung mit Pferden geben.

  • Wilde Reise mit Erich Pröll: Wetterküche Alpen

    Werden die Winter kürzer und schneelos? Nimmt die Zahl der Unwetterkatastrophen im Alpenraum zu? Wie genau sieht es 2017 mit den Folgen der Klimaerwärmung in den heimischen Alpen aus? Dem gehen Erich Pröll und Andreas Jäger auf den Grund.