Spital am Semmering

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Spital: Zwischen Räuberhöhle und Skisport

Es ist Ansichtssache, ob die 1.500 Einwohner zählende Gemeinde Spital nun vor oder hinter dem Semmering zu finden ist. Namensgebend war jedenfalls eine soziale Einrichtung für Pilger, Kreuzfahrer und Kaufleute.

Das Gebiet rund um die heutige Gemeinde war einst von dichten Wäldern umgeben. Diese wilde Gegend nutzten Räuber als Unterschlupf und um durchziehende Menschen zu überfallen. „Im zwölften Jahrhundert wurde dann ein Hospiz gegründet, und dort haben die Reisenden Zuflucht nehmen können“, erklärt Historiker Rudolf Habermann - daher kommt der Name „Spital“. Die Räuberhöhlen waren bis ins 18. Jahrhundert bewohnt und sind bis heute im Ort zu finden.

Willkommen in Spital/Semmering

Heute steht Spital/Semmering vor allem für Dreierlei: für Zugverkehr, für Sommerfrische und für den Skisport.

Aufschwung durch Innovation

In der Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte der Ort mit dem Bau der Semmeringbahn seinen Aufschwung. Karl Ritter von Ghega war für die Errichtung einer Bahnlinie in den Süden zuständig, die die kaiserliche Reichshauptstadt Wien mit dem wichtigsten Hafen der österreichisch-ungarischen Monarchie in Triest verbinden sollte; diese Bahnlinie führte auch über den Semering vom niederösterreichischen Gloggnitz nach Mürzzuschlag in der Steiermark.

Spital am Semmering, Brücke

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Bis zu 20.000 Arbeiter arbeiteten am Bau der Semmeringbahn mit

Die Überquerung des Semmerings hielten viele Zeitgenossen von Ghegas für unmöglich, doch dem ambitionierten Ingenieur gelang das Kunststück: Mithilfe von Tunnels, Viadukten und Brücken führten Ghega die Bahnlinie über den Berg, und so wurde die erste Bergbahn Europas eröffnet und Österreich zum Pionier beim Bau von Gebirgsbahnen.

Spital am Semmering, Brücke

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Die Bahn über den Semmering ist bald Geschichte

Sommerfrische am Semmering

Bis dahin war der Semmeringpass nur mühevoll zu überqueren gewesen. Der erste Zug dampfte im Jahr 1854 über den Pass, und mit der Bahn kam dann auch der Tourismus massiv ins Rollen: Vor allem die Wiener entdeckten, dass es hinter dem Semmering noch etwas gibt. Als Sommerfrischler kamen sie in prominenter Begleitung des Kaisers und ließen sich in prachtvollen Villen nieder. Errichtet wurden diese herrschaftlichen Häuser vom Wiener Stadtbaumeister Ludwig Zatzka.

Spital am Semmering

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Unter dem Semmering

Auch wenn die Bahn heute keine Sommerfrischler mehr nach Spital am Semmering bringt und die meisten Züge nur durchfahren, hat die Strecke für die Spitaler eine Bedeutung: „Täglich fahren über diese Ghega-Bahn etwa 160 Züge. Das hört man eigentlich gar nicht mehr. Als Spitaler ist man das so gewöhnt, dass es fehlen würde, wenn einmal kein Zug fährt“, so der Touristiker Hans Hirschegger.

Spital am Semmering, Semmeringtunnel

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Durch den Semmeringbasistunnel soll man in weniger als zwei Stunden von Graz nach Wien kommen

Spätestens 2026 wird es aber zumindest weniger werden - dann wird der Semmeringbasistunnel fertiggestellt sein und ein Großteil des Bahnverkehrs untertage stattfinden. Bis dahin hat Spital am Semmering die größte Baustelle Österreichs - abzulesen ist das an dem enormen Aushubmaterial, das Tag und Nacht aus dem Tunnel befördert wird; damit wird in den nächsten Jahren ein ganzes Tal zugeschüttet.

Wiege des Skisports

Ein Tal verschwindet, doch das Stuhleck als Haus- und Skiberg bleibt bestehen. Er gilt als die Wiege des Skisports in Österreich, denn im Jahr 1893 bestiegen Max Kleinoscheg und Toni Schruf das Stuhleck als ersten österreichischen Alpengipfel mit Skiern.

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