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TAUSENDE IM TAUSCHRAUSCH
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Je mehr das Geld den Bach hinuntergeht, an Glaubwürdigkeit verliert, desto mehr blüht an den Rändern der Kapitalwirtschaft der bargeldlose Warenverkehr. Es wird wieder mehr getauscht, wie schon so oft in der Vergangenheit. |
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 Konrad Paul Liessmann, Philosoph, Univ. Wien: „Wenn Menschen weniger Geld haben, oder das Vertrauen in Geld schwindet, werden eher Güter gegen Güter getauscht werden. Das wissen wir aus Kriegsregionen, nach Katastrophen und das spüren wir auch jetzt.“
Seit die amerikanische Tauschbörse "Barterquest" vor drei Monaten online ging, haben sich Tausende erfolgreich nach Tauschgeschäften umgesehen. Designerhandtasche gegen Babysitten, Sonnenbrille gegen Schmuck, Computerspiele gegen Rasenmähen. Alles, fast alles, wird hier angeboten.
Er hat wohl eines der erfolgreichsten Tauschgeschäfte im Internet abgewickelt: Kyle McDonald, Gelegenheitsarbeiter aus Montreal tauschte völlig wertlos scheinende Gegenstände ein, bis er nach vierzehn Runden ein eigenes Haus besaß - und einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde.
Kyle McDonald: „Das war wirklich ein großer Moment, als ich das Haus bekommen habe. Aber mein wichtigster Tauschhandel war mein erster.“
Und damit hat alles begonnen, mit einer unscheinbaren roten Büroklammer. Im Juli 2005 geht Kyle McDonald mit einer Internetseite online, und bietet die Büroklammer zum Tausch an. Er bekommt dafür einen Stift in Fischform, den er für einen Porzellan-Türgriff eintauscht. Über einen Camping-Kocher kommt er zu einem Generator und dann zu einem fahrtüchtigen Lieferwagen.
Schließlich ertauscht sich Kyle im Glück sogar einen Auftritt mit dem amerikanischen Rockmusiker Alice Cooper. Für diesen Auftritt bekommt er eine Schneekugel der Band Kiss. Diese tauscht er mit dem Schauspieler Colin Bernsen und bekommt dafür die Rolle in einem Film. Das Filmangebot tauscht Kyle mit dem Bürgermeister der kanadischen Gemeinde Kipling und bekommt ein Haus mit 1000 Quadratmeter Garten.
Jetzt möchte der Kanadier seine Tauscherfolge fortsetzten und sein Traumhaus weiter tauschen.
Kyle McDonald: „Ich möchte nichts Spezielles dafür. Für mich ist es immer spannend, dass ich nicht weiß, wohin mich ein Tauschgeschäft führen wird. Eines steht fest: Ich tausche das Haus sich nicht gegen eine rote Büroklammer, aber vielleicht gegen zwei, wer weiß.“ |
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 Nicht Büroklammern sondern kostenlose Schlafplätze tauschen Mitglieder der Internetbörse: Couchsurfing. Dein Sofa gegen meines. Ein erfolgreiches Modell mit mittlerweile mehr als einer Million Mitgliedern - in mehr als 230 Ländern.
Couchsurfer nutzen das Internet, um auch im echten Leben ungehindert reisen zu können. Sie lassen Fremde, die sympathisch klingen, umsonst bei sich wohnen und wissen, dass dafür fast überall auf der Welt auch ein Sofa für sie frei ist.
Die Palette an Angeboten ist groß, von der Gratis-Übernachtung im Architektenhaus in Wien bis hin zur Couch in der Forschungsstation der Antarktis. Es geht für Couchsurfer vor allem auch um den Austausch von Kulturen, die Hotels so nicht bieten können.
Gerd Zehetner, Couchsurfer, Architekt: „Dieses System ist ein Geben und Nehmen. Man gibt das, was man kann. Ein Abendessen, eine Couch, ein Haus, das man selber nicht benützt. Oder eine Stadtführung. Ein Gegentausch. Dadurch, dass es ein freundschaftliches System ist, wird nicht abgerechnet.“
Eine neuaufgelegte Form guter alter Nachbarschaftshilfe. Nur ist der Nachbar die ganze Welt. Auch wenn Couchsurfer über ein Bewertungssystem Empfehlungen bekommen, ist ein gewisses Maß an Vertrauen Voraussetzung.
Konrad Paul Liessmann: „Hier entwickeln sich unglaubliche neue Formen eines ganz ganz alten sozialen Verhaltens. Nämlich der Tausch, wie manche Soziologen zu Recht angenommen haben, die Keimzelle jeder Form von Gemeinschaft und Gesellschaft darstellt.“
Auf dem grenzenlosen, virtuellen Marktplatz des world wide web tummelt sich die neue Tauschgesellschaft. Ein florierender Handel ohne Cent und Spesen. Und noch lange nicht sind alle Möglichkeiten ausgeschöpft. |
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 Neue Ideen tauschen die Mitglieder der Netzkulturwerkstätten in Wien und Dornbirn. Ziel ist es, den Schreibtisch zu einer eigenen Werkstatt umzufunktionieren und aus getauschten Programmen oder Bauanleitungen ein selbst entworfenes Produkt herzustellen. Mit den eigenen Händen. So wie diesen Sessel. Nach dem Motto: Do it yourself.
Gerin Trautenberger, NetCultureLab Wien: “Do it yourself ist eine Bewegung, eine internationale Bewegung. Wir haben uns Ideen aus dem Internet geholt, verändert und einen Stuhl zusammengebaut. Jeder kann das nachbauen, bekommt die Files und kann das weiterentwickeln.“
Mit freier Software werden gebrauchte PCs und Notebooks umgebaut. Etwa zu einem energieeffizienten Home Media Server. Kein Massenprodukt, sondern selbstgemachtes Einzelstück.
Doch so ganz ohne Geld als Tauschmittel wird es auch in Zukunft nicht gehen. Außerdem ist es fraglich, ob ein Leben ohne Geld mehr Spaß machen würde. |
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