Hupfauf in Hypnose

Bernd Hupfauf: „Ich befinde mich hier in einem Psychotherapiezentrum und werde mich heute hypnotisieren lassen, natürlich unter fachkundiger Anleitung. Alexander Knoll, wie funktioniert Hypnose?“

Alexander Knoll, Psychotherapeut: „Hypnose ist ein Zustand, wo ich mich durch einen monotonen äußeren Reiz, der bekannt, z. B. wenn ich über längere Zeit ein Buch lese, oder etwas arbeite, oder auf der Autobahn Auto fahre, schaltet sich das Bewusstsein ab und ich gehe in eine unbewusstere Wahrnehmung.“

„Und wie lange dauert so ein Zustand der Hypnose?“

Alexander Knoll: „Spätestens dann, wenn man ein Bedürfnis hat, aufs Klo zu gehen, dann endet sie.“

Doch wie stark lassen sich Bernds Körperfunktionen beeinflussen? Unter Hypnose soll sein Pulsschlag gesenkt und seine Schmerzempfindlichkeit getestet werden. Die Pulsuhr zeigt: 58 Schläge pro Minute, Bernd ist nicht einmal aufgeregt. Um seine Schmerzgrenze zu ermitteln wird sein Unterarm mit einem Wärmegerät traktiert:

Burkhard Gustorff, Schmerzexperte, AKH: "Wir sind schon bei 44 Grad. jetzt ist es heiß. Und bei 46 Grad haben sie jetzt weggezogen.“

Hier liegt also Bernds Schmerzgrenze, doch wie wird er unter Hypnose reagieren?

Alexander Knoll: "Sie haben die Augen schon geschlossen, die Hände schon verschränkt liegen beim Bauch und spüren die Ausatmung. Sie gehen Schritt für Schritt tiefer in die Tiefe der Hypnose."

Die Reise ins Unbewusste beginnt. Rund dreißig Minuten dauert es bis Bernd in Trance ist. Alles was jetzt um ihn herum passiert, scheint er nicht mehr wahrzunehmen. Auch nicht, dass das Wärmegerät seinen Arm berührt.
Während Bernd im Wachzustand auf den Hitzereiz stark reagiert hat, scheint er ihn unter Hypnose nicht gespürt zu haben.

Burkhard Gustorff: "Auffallend war Erstens, das Gerät musste sich aus Sicherheit heraus abschalten damit wir ihm nicht zu viel Schmerzen zufügen. Und dann sieht man hier auch auf der Anzeige ganz deutlich, dass ein enorm viel höherer Schmerzreiz appliziert wurde. Er hat also viel mehr Schmerzen bekommen und sie einfach ertragen."

Zum Vergleich: unter Hypnose lag Bernds Schmerzgrenze um 4 Grad höher.

Bernd: "Nicht für mich zu bemerken in diesem Zustand".

Burkhard Gustorff: "Hypnose setzt genau dort an. Es verstärkt die Schmerzabwehr. Das ist in anderen Forschungsbereichen zum Beispiel in der Placeboforschung inzwischen ganz klar gezeigt, dass im Gehirn Schmerz abwehrende Zentren einfach viel aktiver werden. Ob Hypnose das komplett ersetzt hängt ja auch vom einzelnen Patienten ab und von der Dauer des Schmerzreizes."

Auch immer mehr Zahnärzte setzen auf Hypnose. So wird das Bohrgeräusch zum Motorboot, der Speichelsauger zum Meeresrauschen. Obwohl sogar Wurzelbehandlungen in tiefer Trance möglich wären, wird nur in Ausnahmefällen auf Betäubungsmittel verzichtet. Denn immerhin gelten 10 % der Menschen als nur schwer hypnotisierbar.

Siegmund Freund war einer der ersten, der mit Hypnose experimentierte. Durch die Hypnose erarbeitete er sich Einblicke ins Unbewusste seiner Patienten. Er war fasziniert von dem Phänomen, dass Menschen in Trance Erlebnisse abrufen können, an die sie sich sonst nicht erinnern. Dies führte ihn zu der bis heute gültigen Theorie, dass schockierende Erlebnisse der Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen schaden können.

Bernd Hupfauf: „An meinem Finger klemmt ein neues Messgerät. Was machen wir jetzt?“

Alexander Knoll: „In der Hypnose wird der Puls theoretisch gesteigert oder gesenkt. Das heißt, ich kann meine Pulsfrequenz variieren."


Und wieder taucht Bernd hinab in sein Inneres. Seine gesamte Aufmerksamkeit richtet sich auf die Worte des Hypnotiseurs - Bernd ist jetzt besonders leicht zu beeinflussen. Während sein Arm angeblich von Luftballons nach oben gezogen wird, soll sich sein Puls verlangsamen.

Es funktioniert: Bernds Puls sinkt von über 60 auf 52 Schläge pro Minute.

Bernd: „Ich hab einfach gespürt, dass es mich genau da in dem Handgelenk drinnen, das mich da etwas ganz langsam nach oben zieht. Das hab ich gemerkt. Irgendwas zieht da, aber fein. Nicht so schnell und fest, sondern ganz leicht und langsam.“

In Trance verändert sich unser Bewusstseinszustand. Durch Ausblendung von Außenreizen und Konzentration nach Innen können wir Erinnerungen hervorholen, die uns sonst verborgen bleiben. Untersuchungen haben gezeigt, dass während der Hypnose fast alle Hirnareale, hier in Grün dargestellt, inaktiv sind. Auch jene, die für die Schmerzverarbeitung zuständig sind. Blau dagegen bedeutet Aktivität. Zum Vergleich: das Gehirn eines Menschen im Wachzustand.

Wenn wir so leicht zu beeinflussen sind, ist es dann auch möglich jemanden gegen seine Prinzipien handeln zu lassen?

Alexander Knoll: "Dass ich jemanden programmiere jemanden umzubringen, wie es immer das gängige Beispiel ist, das würde nicht funktionieren. Weil er spätestens dann, wenn merken würde, er würde jetzt diesen Gedanken hegen, würde sein Inneres sich einschalten und sagen "hey was tust du da". Und dann würde er aus dieser Programmierung, wenn‘s die geben würde, aufwachen.“

Was man sehr wohl mit Hypnose tun kann ist: Schmerzen, Ängste oder Süchte zu heilen. Quasi der Doktor im eigenen Kopf.