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Auch so kann ein Computerspiel aussehen. Es geht nicht um Kampf und Konkurrenz, sondern um ein ökologisches Problem. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Bürgermeisters und soll seine Gemeinde aus eigenen Ressourcen mit Energie versorgen. Walter Purker will diese Aufgabe lösen. Denn er spielt nicht nur - er ist ein Bürgermeister und zwar aus der ungarischen Gemeinde Pornapati.
Die Grundlage dieses sogenannten e-learning Programms ist Güssing im Burgenland: Die Stadt produziert mehr Energie, als sie verbraucht und ist somit energieautark.
Jede Woche tummeln sich zwei- bis dreihundert Ökotouristen vor den Anlagen, mit denen in Güssing erneuerbare Energie erzeugt wird. Alle wollen wissen, wie's funktioniert. Etwa das Biomassekraftwerk.
In diesem werden Hackschnitzel aus Holz unter der Zufuhr von Wasserdampf vergast. Aus dem entstehenden Gas, werden Strom, Benzin oder Diesel erzeugt. Die Abwärme wird in das Güssinger Fernwärmenetz eingespeist.
Herr Purker kann sich all das in Ruhe im Internet anschauen. Dort sind Informationen, Erklärungen und Spielelemente im e-learning Programm für alle gebündelt und abrufbar. Darin liegt auch die Crux eines e-learning Programms:
Manfred Nagl, Medienpädagoge:
"Das Lernprogramm bietet die Möglichkeit, verschiedene Sinne, mit denen der Mensch ausgestattet ist zu nutzen und den Menschen interaktiv, audiovisuell und multiaktiv anzusprechen. Das bedeutet, dass man sehr verschiedene Lerntypen erreichen kann und das wiederum gibt mir die Chance eines hohen Grades an Aufmerksamkeit."
Und die braucht man etwa, wenn in dem Lernprogramm erklärt wird, dass eine Biogasanlage ähnlich funktioniert wie ein Kuhmagen. Denn auch die Biogasanlage wird mit Gras, Mais und Klee gefüttert. In ihrem Magen - den sogenannten Fermentern - wird diese Biomasse mit Hilfe von Mikrobakterien vergoren. Dabei entsteht unter anderem Methangas. Von den Kühen wird es nutzlos verpufft.
In der Biogasanlage wird es von einem Generator zu Strom umgewandelt. 1300 Haushalte in der Region können damit versorgt werden. Zurück bleibt hervorragender Dünger, der wieder auf die Felder aufgebracht werden kann.
Der Geschäftsführer des Technologie-Zentrums, Reinhard Koch, fügt seit 1990 alle Versatzstücke erneuerbarer Energie zum erfolgreichen Güssinger Gesamt-Konzept zusammen.
Reinhard Koch vom Europäisches Zentrum für erneuerbare Energie:
"Bei uns läuft alles zusammen, was sich in Güssing tut im Bereich der erneuerbaren Energie. Die Anlagen, die Forschung, der Ökotourismus. Wir suchen immer wieder Motivator zu sein für die jungen Leute, ihnen eine Perspektive zu geben und gerade im Forschungsbereich gibt es hier sehr interessante Aufgaben."
Benötigt wurde etwa eine Kältemaschine mit kleinem Leistungsbereich, die ohne traditionelle Kühlmittel wie FCKW auskommt. Voilá, Klaus Paar hat sie gebaut und sie benötigt nicht einmal elektrischen Strom, sondern wird von Sonnenenergie angetrieben.
Klaus Paar, Maschinenbauer:
"In der Maschine herrscht Vakuum. Dadurch verdampft Wasser schon bei sehr niedrigen Temperaturen, beispielsweise bei acht Grad. Für die Verdampfung benötige ich viel Energie. Es wird kalt. Das kann man sich so vorstellen, wenn man Alkohol auf die Haut aufträgt und der verdampft, dann wird es auch kalt. Genau dasselbe Prinzip herrscht hier drin in der Maschine. Der Wasserdampf strömt dann hier herüber in diesen Behälter. da drin befindet sich Silikagel. Das ist dieses Material. Silikagel hat eine Eigenschaft ähnlich wie ein Schwamm, das heißt, es kann den Wasserdampf aufnehmen. Wenn dieses Silikagel vollgesogen ist, muss das Wasser wieder entfernt werden. Und dazu brauchen wir Sonnenenergie."
Mit Hilfe der Sonnenwärme wird das schwammähnliche Silika-Gel wieder ausgetrocknet. Der Wasserdampf strömt in den Kondensator und wird dort wieder zu flüssigem Wasser. Nun kann der Kreislauf von Neuem beginnen. Der sogenannte Sunsorber soll nun zur Marktreife geführt werden. Eines Tages könnten die stromfressenden Klimaanlagen in Gebäuden von der solaren Kühlung abgelöst werden.
Nicht das einzige Ziel der Güssinger Technologen. In Zukunft wollen sie aus ganzen Pflanzen synthetische Treibstoffe entwickeln. Dies senkt die CO2 Belastung und reduziert die Treibhausgase. Eines steht fest: Gäbe es mehrere Güssings, die Ziele des Kyoto Protokolls würden leicht erreicht werden.
Kontakt EEE:
Europäisches Zentrum für erneuerbare Energie Güssing GmbH
Europastraße 1
7540 Güssing
E-Mail: office@eee-info.net
Tel.: +43/3322/9010 850-0
Fax.: +43/3322/9010 850-12
Kontakt Güssing:
Mag. Alexandra Kopitar
03322/9010 850-40
Kontakt e-learning:
Dipl.Päd. Manfred Nagl
01/ 214 23 00 |