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EUROPA SUCHT DEN SUPER-ASTRONAUT

Der Weg in die Erdumlaufbahn dauert nur Minuten. Doch der Weg zur Startrampe für Astronauten Jahre. Und nur für ganz wenige erfüllt sich der Traum vom Weltraumflug. Die ESA gibt nun neuen Kandidaten Hoffnung und will vier bis sechs Astronauten rekrutieren.
 
Das ESA-Imagevideo lässt nur ahnen, welch harter Weg die Anwärter erwartet. Das Auswahlverfahren ist umfangreich und dauert mindestens ein Jahr, gefolgt von rund drei Jahren Ausbildung und Training. Derzeit hat die ESA acht aktive Astronauten, und manche waren nach vielen Berufsjahren erst wenige Tage im All.

Einer von erwarteten 50.000 Bewerbern ist der Wiener Physiker und Astronom Norbert Frischauf. Sein Bonus: Er ist Pilot, hat schon mehrere Jahre bei der ESA gearbeitet und hat sogar eine Art Weltraumerfahrung: Er war Leiter der ersten und vermutlich einzigen österreichischen Marsmission - Austromars - einem wissenschaftlichen Langzeitexperiment in der Wüste von Utah.

Zur Erstanmeldung muss die medizinische Flugtauglichkeit nachgewiesen werden. Dann folgt ein umfassender Online-Fragebogen, der unter anderem die Motivation prüft: "Warum wollen sie in den Weltraum?", oder "Wie lange sind sie bereit, von ihrer Familie getrennt zu leben?" Hier scheiden schon rund 80 Prozent der Bewerber aus.

Norbert Frischauf, Physiker:
"Wenn du das überlebst, dann kommst du in den nächsten Schritt, das ist die psychologische Selektion, die wird nicht mehr online sein, die wird irgendwo sein, vermutlich in Köln. Das ist praktisch ein IQ-Test, und dann gibt es noch eine Reihe von Tests, wie Verhaltensmuster sind. Die dritte Selektionsstufe ist dann medizinisch, da wird dann voraussichtlich alles gecheckt, alle Organe, Blutbefunde et cetera bis hin zum berühmten Drehstuhl oder vielleicht auch die Zentrifuge. Es wird also getestet, wie schnell wird dir schlecht und wie kannst du damit umgehen."

Astronauten müssen ein besonders robustes Herz-Kreislaufsystem haben. Ein Spezialgerät in Grazer kann die Leistungsgrenze exakt messen. Blut wird in die Beine gesaugt und das erzeugt Blutmangel im Gehirn, bis knapp vor den Kollaps. Doch Astronauten werden auch noch nach anderen Belastungskriterien ausgewählt.

Helmut Hinghofer-Szalkay, Weltraummediziner, Graz:
"Ein Astronaut muss feste Knochen haben, er muss einen zumindest mittleren Fitnessgrad haben, sowohl was die Muskulatur betrifft, insbesondere was den Kreislauf betrifft. Der Kreislauf muss sehr belastbar sein, weil ja die Beschleunigungseffekte bei Start und bei Landung sehr hoch sind und aus diesem Grund machen wir auch hier diese Untersuchungen."

Wenn das Gerät aufkippt, dann schießt zusätzlich Blut in die Beine, als würde der Körper wie in einem Kampfjet im Steigen belastet. Diesen Test hat der Kandidat gut überstanden, auch wenn sein Blutdruck und die Herzfrequenz deutliche Schwankungen zeigen. Ein Effekt, den fast jeder kennt: Wenn man in der Früh zu schnell aus dem Bett aufsteht - nur viel schlimmer.

Helmut Hinghofer-Szalkay, Weltraummediziner, Graz:
"Der Astronaut muss eine hervorragende Gesundheit haben, er darf nichts haben, was klinisch bedenklich sein könnte, also etwa einen entzündeten Zahn oder so etwas in die Richtung. Aber die Leute sollen auch keine Übertrainierten sein, sie sollen mäßig trainiert sein, sie sollen psychisch belastbar sein, sie Sollen keine Helden sein und auch keine Feiglinge sein - also eigentlich soll man sehr normal und ausgewogen sein als Person."

Das Astronauten-Trainingszentrum in Köln. Wer hier einrücken darf, hat es geschafft und beginnt das einjährige Basistraining.
Ausdauer ist gefragt und Präzision, denn hier wird jeder Handgriff erbarmungslos einstudiert, bis er sitzt, vom Erlernen der Flugsysteme bis hin zum exakten Handling von Experimenten im All. Für Astronauten heißt es vor allem sehr oft Tauchen. Es ist das Standardtraining zur Gewöhnung an die Schwerelosigkeit. Und auch Außeneinsätze an der Raumstation werden so simuliert. Gleichzeitig sehen Mediziner, ob auf Dauer Muskelmasse oder Knochen abgebaut werden, oder ob Probleme mit der Koordinationsfähigkeit und Orientierung auftreten.

Die Tücke des Objekts in der Schwerelosigkeit. Auf dem Parabelflug wird der Raumanzug leicht zum Kampfanzug. Das Gefühl für Schwerelosigkeit wird aber spielerisch erlernt. Das Kontrastprogramm in der Zentrifuge: Bis zu sechs G Beschleunigung belasten den Astronauten. Dennoch: Superman ist als Astronaut nicht gefragt.

Norbert Frischauf, Physiker:
"Eine Psychologin bei der NASA hat einmal so beschrieben, was den richtigen Astronauten ausmacht: Das ist der Typ, wenn du mit dem redest, wo du sofort sagst, mit dem gehe ich auf ein Bier. das heißt, der hat praktisch keine Aggressivität, er ist ein guter Kommunikator, er wirkt sehr menschenfreundlich. Das ist also auch das, was man mit Empathie beschreibt, dass du dich in einen anderen hineinfühlen kannst, dass du teamfähig bist und dass du auf andere Rücksicht nimmst. Man darf nicht vergessen, man hat in der ISS kaum Privatsphäre. Das ist wie auf einem Segelschiff, du musst zusammen arbeiten und auf die Anderen Rücksicht nehmen. Und du musst topfit sein, weil du musst belastbar sein. Du wirst zum teil irren Stress bekommen, und was nicht passieren darf ist, dass du dann auf einmal grantig wirst oder zornig. Und du musst irrsinnig schnell umschalten können. Es kann ja sein, dass etwas passiert, dann musst du in der Lage sein, von A nach B umzuschalten und sagen können: Das ist nicht wichtig, jetzt ist das wichtig."

Der Beruf des Astronauten ist nicht nur Abenteuer. Im Vergleich zur jahrelangen Ausbildung ist die Zeit im Weltraum oft kurz. Und wer einen Langzeitaufenthalt absolviert, kämpft mit noch ungelösten medizinischen Problemen: Vor allem Knochenschwund, aber auch Muskelabbau und die Strahlenbelastung. Dennoch: Die neuen Generation Astronauten könnte die sein, die auf eine wirklich lange Reise geht - vielleicht ja bis zum Mars.
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