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PAPIER ODER MONITOR? DIE ZUKUNFT DES BUCHES

So könnte es aussehen: das neue, elektronische Lesezeitalter. Auch wenn es bisher nie geklappt hat, das Buch durch eine papierlose Alternative zu ersetzen - dieses unscheinbare Lesegerät soll das jetzt ändern. Nicht größer als ein Taschenbuch, bietet das E-Book dennoch Platz für eine ganze Bibliothek. 200 Bücher und aktuelle Zeitschriften lassen sich darauf in digitaler Form lesen.
 
Um die Bücher auf das Gerät zu bekommen, braucht man im Gegensatz zu den Vorgängermodellen keinen Computer mehr. Drahtlos verbindet sich der Leser zum Schmökern ins virtuelle Buchgeschäft. Ist das das Ende des klassischen Buchs?

Wolfgang Langenbucher, Kommunikationswissenschafter: „Es kann sein, dass bestimmte Typen von Büchern verschwinden. Weil sie durch die komfortableren
e-books ersetzt werden. Ich kann mir das z. B. beim wissenschaftlichen Buch vorstellen. Es erscheint ja auch oft in sehr niedrigen Auflagen. Die Herstellung ist sehr teuer. Wenn da die elektronische Produktion billiger ist, weil man aus einem vorhandenen Datenspeicher das abrufen kann, dann ist das eine Steigerung der ökonomischen Bedingungen.“
Weg vom Papier, hin zum Digitalen: auch immer mehr Bibliotheken folgen diesem Trend. An der Bibliothek der Uni Wien läuft seit eineinhalb Jahren der Scanner nonstop. Im Rahmen eines Digitalisiserungsprogrammes werden hier historische Druckwerke gescannt und zukünftig im Internet veröffentlicht. Verstreut aufbewahrte, aber zusammengehörige Kulturdokumente können so erstmals wieder zusammengestellt werden. Das verschlingt Geld und Zeit: Rund 3 Tage dauert die Digitalisierung dieses 600 Seiten dicken Buches. Nur eines von insgesamt 2,6 Millionen die hier lagern. Würde man für jedes Buch nur einen Tag benötigen wären das 2,6 Millionen Tage, ganze 7.222 Jahre!

Doch es geht auch schneller. Dieser automatische Buchscanner - eine Erfindung österreichischer Techniker - schafft 1000 Seiten pro Stunde! Mit Unterdruck wird jeweils eine Seite hochgezogen und beidseitig gescannt. Statt umgeblättert wird umgeblasen.

Der Tag an dem wir Bibliotheken nicht mehr händisch sondern per Mausklick durchforsten, scheint gesichert. Nicht so sicher ist, wie lange die digitalisierten Daten halten. Viele Speicherformate veralten schnell oder müssen mühselig auf den neuesten Stand gebracht werden.

Wolfgang Langenbucher, Kommunikationswissenschafter: „Das ist ein Problem, mit dem sich Bibliothekare weltweit beschäftigen: Die Gefahr eines Bermuda-Dreiecks, in das jene Datenbestände fallen, die nicht auf absolut sicheren Datenträgern aufbewahrt werden. Papier ist offensichtlich immer noch eines der sichersten Medien, um das Überleben von Informationen zu garantieren.“

Das wussten wohl schon die alten Ägypter. Sie hinterließen ihr Wissen auf bis zu 2 Meter langen Papyrusrollen - dem Papier der Antike. Die ältesten erhaltenen Funde stammen aus dem Jahr 2700 vor Christus. Beschrieben wurden die aus der Papyruspflanze hergestellten Blätter mit schwarzer Tinte - einem Gemisch aus Ruß, Wasser und Akaziensaft. Als Stift diente ein Binsenhalm.

1450 revolutionierte eine Erfindung die Druckkunst. Johannes Gensfleisch, besser bekannt als Johannes Gutenberg erfand den Buchdruck mit beweglichen Lettern. Erstmals war es möglich längere Texte schnell und kostengünstig in großer Auflage zu produzieren. Ein von ihm entwickeltes Bleigießinstrument, ermöglichte es, Lettern in Massenproduktion herzustellen. Diese waren so robust, dass sie sogar dem Druck der Presse standhielten. Noch heute werden Urkunden und Dokumente im Stile Gutenbergs gedruckt. Bei dem enormen Aufwand allerdings nur 4000 Stück pro Jahr.

Wofür Gutenberg Jahre gebraucht hätte - das wird heute an einem Tag erledigt. In einer der größten Druckereien Wiens werden täglich 25 Tonnen Papier verdruckt. In 24 Stunden verwandeln Hochleistungsdruckmaschinen 300.000 weiße Seiten in farbenfrohe Bücher, Werbefolder oder Plakate. Trotz des Trends hin zur Digitalisierung, steigt die Nachfrage nach Gedrucktem.

Werner Bethmann, Druckerei Holzhausen: „Wir haben natürlich den Konkurrenzkampf aufgenommen. Wir müssen künftig rascher die Bedürfnisse des Marktes abdecken. Wie die Entwicklung weitergeht, können wir nicht vorhersehen. Aber wir bemühen uns, rasch auf die Bedürfnisse des Marktes zu reagieren.

Allen Befürchtungen zum Trotz, gibt es schon jetzt ein Miteinander von Buch und digitaler Information. Schafft das E-Book möglicherweise das, was der Laptop nicht schaffte? Nämlich Zeitschriften und Bücher zu ersetzen?

Wolfgang Langenbucher, Kommunikationswissenschafter: „Es wird zu Mischformen kommen. So wie man heute Büchern über Musik eine CD beilegt, wird man in Zukunft vielleicht Anweisungen für die Nutzung von e-books in Büchern mitgeben. Die Zukunft des Buches hängt davon ab, ob es sich auch in Zukunft an neue technische Entwicklungen anpasst.“

Papier oder Monitor? Wer in der Zukunft das Rennen macht, wird erst die kommende, die "Computergeneration" entscheiden.
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