Marcos vergleicht die Bedienungsanleitungen verschiedener Drucker und stellt fest, dass die Lebensdauer von den Ingenieuren vorprogrammiert wurde.Dafür bauen sie einen Chip in den Schaltkreis des Druckers ein.

Marcos Lopez: „Ich habe den Chip gefunden. Es ist ein EEPROM, der die Zahl der Ausdrucke speichert, und wenn die voreingestellte Anzahl erreicht ist, hängt sich der Drucker auf und druckt nicht mehr.“

1940 brachte der Chemieriese Dupont eine revolutionäre synthetische Faser auf den Markt: das Nylon. Frauen feierten die neuen langlebigen Strümpfe, aber die Freude war nur von kurzer Dauer.

Nicols Fox, Autorin: „Mein Vater arbeitete vor und nach dem Krieg für Dupont in der Nylonabteilung. Er erzählte mir, wie sie das Nylon für die Strümpfe getestet haben. Die Männer seiner Abteilung sollten ihre Frauen und Freundinnen die Strümpfe ausprobieren lassen. Auch mein Vater brachte meiner Mutter welche mit, sie war begeistert, wie robust die waren."

Die Dupont-Chemiker konnten stolz auf ihre Erfindung sein. Sogar Männer lobten die Reißfestigkeit der Nylonstrümpfe.

Nicols Fox, Autorin: "Das Problem war, die Strümpfe hielten viel zu lange. Die Frauen waren froh, keine Laufmaschen mehr zu haben, aber die Strumpfhosenproduzenten verkauften nicht so viele davon."

Dupont erteilte Nicols Fox Vater und seinen Kollegen neue Anweisungen.

Nicols Fox, Autorin: "Für seine Kollegen hieß das, zurück ans Zeichenbrett und sie mussten die Fasern wieder schwächer machen, damit es wieder Luftmaschen gab und die Strümpfe nicht so lang hielten."

Dieselben Chemiker, die die Strumpfhosen zuerst so robust machen konnten, gingen mit der Zeit und machten sie nun empfindlicher.
Die unverwüstliche Faser verschwand aus den Fabriken.

Auf der anderen Seite des "Eisernen Vorhangs" wussten die Konsumenten wenig davon, in den Ostblockländern gab es eine Wirtschaft ohne geplante Obsoleszenz.

Die kommunistische Ökonomie wurde nicht vom freien Markt geregelt, sondern zentral vom Staat gesteuert. Ein ineffizientes System geplagt von Rohstoffmangel - da hatte geplante Obsoleszenz keine Chance.

In der DDR, der effizientesten der kommunistischen Wirtschaftssysteme, verordnete der Staat, dass Kühlschränke und Waschmaschinen 25 Jahre halten mussten.

Helmut Höge, Historiker: "Hier dieser DDR-Kühlschrank, den habe ich 1985 gekauft, der ist also mindestens 24 Jahre alt, und die Glühbirne ist ebenso alt, ich habe sie noch nie ausgewechselt, die ist also auch so mindestens 25 Jahre alt."

1981 stellte eine Ost-Berliner Lampenfabrik eine langlebige Glühbirne vor. Präsentiert wurde sie auf der Hannoveraner Messe, um Kunden aus dem Westen anzulocken.

Helmut Höge, Historiker: "Als die Ostdeutschen Glühbirnenhersteller diese langlebigen Glühbirnen 1981 auf der Hannoveraner Messe vorstellten, sagten ihre Kollegen von Osram aus dem Westen: 'Ihr wollt Euch wohl alle arbeitslos machen.' Worauf die Navra-Leute antworteten: 'Nein, im Gegenteil indem wir Ressourcen schonen und den Wolfram nicht verpulvern, behalten wir gerade unsere Arbeitsplätze'."

Die Kunden aus dem Westen lehnten die Glühlampe ab.

1989 fiel die Berliner Mauer. Die Fabrik wurde geschlossen und die Produktion der Ostdeutschen Glühbirne wurde eingestellt. Heute findet man sie nur mehr in Ausstellungen und Museen.

20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer wird im Osten genauso zügellos konsumiert wie im Westen. Aber mit einem Unterschied: Im Zeitalter des Internets sind die Konsumenten bereit, gegen die geplante Obsoleszenz zu kämpfen.

Casey Neistat, Videokünstler: "Der Durchbruch gelang uns mit einem Film über den iPod. Ich war völlig bankrott und mein iPod hat 400 - 500 Dollar gekostet. Acht oder vielleicht 12 Monate später war der Akku kaputt. Ich rief bei Apple an und bat um einen neuen. Aber damals empfahlen sie jedem, einen neuen iPod zu kaufen. Nicht der kaputte Akku nervte mich, denn wenn bei meinem Nokia-Handy der Akku kaputt war, dann kaufte ich mir einen neuen, auch bei meinem Apple Laptop mache ich das so. Aber beim diesem teuren iPod muss das ganze Gerät ersetzt werden. Mein Bruder hatte die Idee, ein Film darüber zu machen. Mit einer Schablone sprühten wir über jedes iPod-Plakat: 'Der nicht austauschbare Akku des iPod hält nur 18 Monate.'
Wir stellten das Video auf unsere Website www.iPodsdirtysecret.com , nach ein paar Wochen hatte es schon 5 - 6 Millionen Zugriffe und die Seite brach fast zusammen."

Elizabeth Pritzker, eine Rechtsanwältin aus San Francisco, hörte von dem iPod-Film und klagte Apple. Ein halbes Jahrhundert nach dem Glühbirnen-Fall stand damit ein weiterer Fall von geplanter Obsoleszenz vor Gericht.

Elizabeth Pritzker, Rechtsanwältin: "Der Prozess begann zwei Jahre nach der Markteinführung des iPods, da hatte Apple allein in den USA mehr als drei Millionen Stück verkauft."

Viele dieser drei Millionen- iPod-Besitzer hatten Probleme mit dem Akku und wollten Apple verklagen.

Einer davon war Andrew Westley.

Elizabeth Pritzker, Rechtsanwältin: "Unter den Verbrauchern, die sich bei uns gemeldet hatten, wählten wir einzelne Repräsentative für eine Klage aus. Diese Form der Klage gibt es nur in den USA: Eine kleine Gruppe geht stellvertretend für eine große Gruppe vor Gericht."

Andrew Westley, Kläger: "In diesem Fall habe ich bis zu zehntausend Leute vertreten. Bekannt wurde der Fall als ‚Westley gegen Apple‘. Als meine Freunde und meine Familie hörten, wie groß der Fall war, dachten sie, ich wäre radikal geworden. So wie Erin Brockovich."

Im Dezember 2003 reichte Elizabeth Pritzker am Bezirksgericht von San Matheo die Klage ein, wenige Häuser entfernt vom Apple-Hauptsitz.

Elizabeth Pritzker, Rechtsanwältin: "Wir baten Apple um einige Unterlagen über die Lebensdauer der iPod-Akkus und erhielten eine Menge technischer Daten über Entwürfe und Tests. Wir entdeckten, dass der Lithium-Akku im iPod so konzipiert worden war, dass er nicht lange halten sollte. Ich glaube, Apple wollte den iPod mit geplanter Obsoleszenz entwickeln."

Nach einigen Monaten harter Verhandlungen kam es zu einer Einigung: Apple richtete einen Austauschservice ein und verlängerte die Garantiezeit auf zwei Jahre. Den Klägern wurden Entschädigungen angeboten.

Elizabeth Pritzker, Rechtsanwältin: "Am meisten stört mich, dass sich Apple als junges, fortschrittliches Unternehmen präsentiert und so eine Firma sollte doch eine gute Umweltpolitik betreiben, die es den Kunden ermöglicht, die Produkte ordentlich recyceln zu lassen - das passt nicht mit diesem Image zusammen."

Geplante Obsoleszenz verursacht riesige Müllberge, die in Entwicklungsländer verschifft werden - zum Beispiel nach Ghana in Afrika.

Mike Anane, Informatiker: "Seit acht oder neun Jahren sehe ich mit an, wie ganze Kontainerladungen mit Elektroschrott hier landen. Die Rede ist von alten Computern und Fernsehern, die in den Industrieländern keiner mehr haben will."

Die Ausfuhr von Elektroschrott in Entwicklungsländer ist international verboten. Aber die Händler nutzen einen einfachen Trick: Sie deklarieren den Müll als Gebrauchtwaren.

Mehr als 80 Prozent des Elektroschrotts in Ghana ist irreparabel. Ganze Kontainerladungen landen auf den Mülldeponien.

Mike Anane: "Wir sind hier auf der Mülldeponie von Agbogbloshie. Früher gab es hier einen schönen Fluss, den Odaw-River, der sich durch das dieses Gebiet schlängelte - in dem wimmelte es nur so von Fischen. Wir gingen hier in der Nähe zur Schule, kamen zum Fußball Spielen und trieben uns hier am Fluss herum. Die Fischer organisierten Bootsfahrten. Aber das ist jetzt alles vorbei - das macht mich wirklich sehr, sehr traurig und wütend."

Heute spielen hier keine Schüler mehr. Stattdessen suchen Jugendliche aus armen Familien nach Altmetall.
Sie zünden Kunststoffkabel an, um das Metall herauszulösen.

Die Überreste werden von den Kindern durchforstet, sie suchen nach kleinsten Metallteilen, die die älteren übersehen haben.

Mike Anane: "Einige der Schrottlieferanten behaupten: 'Wir wollen die digitale Kluft zwischen Europa und den USA auf der einen Seite und Afrika auf der anderen Seite verringern.' Aber die Computer, die hier landen funktionieren überhaupt nicht. Was sollen wir mit dem ganzen Elektroschrott, den wir nicht einmal produziert haben? Unser Land wird als Müllhalde der Welt missbraucht."

John Thackara, Designer und Philosoph: "Der ganze Müll, der während des Industriezeitalters versteckt wurde, kehrt nun unausweichlich in unser Leben zurück. Die Wegwerfgesellschaft geht zu Ende, weil wir einfach keinen Platz mehr für den ganzen Müll haben."

Warner Philips: "Ich glaube, mit der Zeit haben wir begriffen, dass das unser Planet nicht mehr lange aushalten kann. Unsere Rohstoffe sind begrenzt, genauso wie unsere Energiequellen.“

Mike Anane: "Unsere Nachkommen werden uns das nicht verzeihen, diesen Wegwerflebensstil der reichen Länder.“

Weltweit beginnen sich die Menschen gegen geplante Obsoleszenz zu wehren. Auch Mike Anane bekämpft sie und sammelt genaue Informationen.

Mike Anane: "Hier Elektroschrott - da sind noch die Inventaraufkleber drauf - hier AMU Center in West Sjaelland, das ist in Dänemark. Das hier ist aus Deutschland und wir sollen es entsorgen. Westminster College - Apple ist auch nicht besser, dabei haben die so ein grünes Image. Viele Apple-Produkte landen hier. Ich habe eine Datenbank mit Inventaraufklebern, Kontaktadressen und Telefonnummer der Hersteller, deren Elektroschrott hier in Ghana landet."

Mike will seine Informationen als Beweismaterial für einen Prozess nutzen.

Mike Anane: "Wir müssen handeln und Strafmaßnahmen setzen, damit sie den Elektroschrott nicht mehr hier abladen."

Marcos ist im Internet wieder auf der Suche nach einem Weg die Lebensdauer seines Druckers zu verlängern. Er hat eine russische Website entdeckt, die eine Gratis-Software anbietet, mit der der Zähler seines Druckers wieder auf Null gesetzt werden soll. Der Software-Programmierer erklärt sogar persönlich seine Motive.

Vitaliy Kiselev, Programmierer: "Eine schlechte Konstruktion - ein schlechtes Geschäftsmodell sowohl für den Kunden als auch für die Umwelt. Ich habe eine userfreundliche Software entwickelt, damit der User den Zähler zurücksetzen kann."

Marcos weiß nicht, was ihn erwartet, aber er lädt die Software herunter.

Von einem kleinen französischen Dorf aus kämpft John Thackara gegen geplante Obsoleszenz: Er hilft beim Austausch von Geschäfts- und Designideen aus aller Welt.

John Thackara, Designer und Philosoph: "In ärmeren Ländern wird alles repariert. Etwas wegzuwerfen, weil es aus irgendeinem Grund nicht funktioniert, ist für Menschen im Süden undenkbar. In Indien nennt man das 'Jugaad', die Tradition alles reparieren zu können, egal wie kompliziert es ist. Wir suchen weltweit Menschen, die sich aktiv an Projekten beteiligen und nicht nur jammern, wie schlimm alles ist und was man ändern könnte."

Einer von ihnen ist Warner Philips, Urenkel des bekannten Glühbirnenherstellers.

Warner Philips: "Ich kann mich erinnern, wie mir mein Großvater in einer Philips-Fabrik in Eindhoven die Massenproduktion von Glühlampen gezeigt hat - das war toll!"

Fast hundert Jahre nach der Gründung des Glühbirnen-Kartells folgt Warner Philips der Familientradition, allerdings mit einem anderen Ansatz. Er erzeugt eine LED-Lampe, die 25 Jahre halten soll.

Warner Philips: "Es gibt nicht eine grüne Welt und eine Geschäftswelt. Ich glaube, Geschäft und Nachhaltigkeit können Hand in Hand gehen, das ist die beste Geschäftsgrundlage. Der einzig richtige Weg ist meiner Meinung nach, die realen Kosten aller Ressourcen miteinzubeziehen. Wir achten auf den Energieverbrauch und den indirekten Energieverbrauch durch den Transport."

Serge Latouche, Wirtschaftsforscher: "Wenn die Spediteure die realen Transportkosten bezahlen müssten - abgesehen davon, dass Erdöl eine nicht erneuerbare Ressource ist - dann wären sie 20 - 30 Mal so hoch."

Warner Philips: "Wenn das alles in die Produktkosten einfließen würde, ergäbe das große Anreize für Hersteller und Unternehmer, Produkte mit langer Lebensdauer zu erzeugen."

Um die geplante Obsoleszenz zu bekämpfen, sollte man auch neue Ansätze in der Produktherstellung überdenken. Einer davon ist "Cradle to Cradle" - von der Wiege zur Wiege: Wenn Fabriken so funktionieren würden wie die Natur, würde geplante Obsoleszenz selbst obsolet.

Michael Braungart, Chemiker: "Wenn man über Umweltschutz redet, meint man bei uns immer sparen, verzichten, vermeiden, reduzieren, null Abfall, weniger schädlich. Wenn man sich die Natur aber im Frühling anschaut, ein Kirschbaum, kein Sparen, kein Verzichten, kein Vermeiden."

Tatsächlich produziert die Natur unaufhörlich, aber verwelkte Blüten, Laub und anderes organisches Material sind kein Müll, sondern Nahrung für andere Organismen - ein Kreislauf.

Michael Braungart, Chemiker: "Die Natur kennt keine Abfälle, sondern sie kennt nur Nährstoffe."

Braungart glaubt, dass die Industrie diesen Kreislauf der Natur nachahmen kann. Bewiesen hat er es bereits - er gestaltete den Produktionsprozess einer Schweizer Textilfirma um.

Michael Braungart, Chemiker: "Wenn man z. B. so einen Stoff hat, damit ein Sofa bezieht oder einen Stuhl, dann sind die Zuschnitte, was man abschneidet, so giftig, dass es als Sondermüll entsorgt werden muss."

In der Fabrik wurden hunderte hochgiftige Farbstoffe und Chemikalien verwendet. Für die Produktion neuer Stoffe hat Braungart die Liste auf 36 Substanzen reduziert - alle biologisch abbaubar.

Michael Braungart, Chemiker: "Wir suchen jetzt alle Zutaten so aus, dass man sie auch essen könnte. D.h. wir können sie klein schneiden und in Müsli packen, wenn Sie wollen. In einer Müllgesellschaft ist jedes kurzlebige Produkt natürlich ein Müllproblem. Wenn es aber eine Gesellschaft ist, die Nährstoffe macht, ist jedes kurzlebige Produkt wieder eine Chance, etwas Neues zu machen."

Marcos installiert die russische Freeware auf seinem Computer.
Damit kann er den Chip in seinem Drucker auf Null zurücksetzen.
Der Drucker ist sofort entsperrt.