Messer, Säbel und Licht

Der Mann faszinierte alle. In den Nachkriegsjahren verblüffte der gebürtige Niederländer Mirin Dajo mit einer Vorführung, vor deren Nachahmung gewarnt werden muss.
Er ließ sich den Oberkörper mit einem Florett durchstoßen -
und das, ohne zu bluten, ohne sichtbare Schmerzen, ohne Schaden zu nehmen.

Martin Schindl, Chirurg, Med. Univ. Wien: "Es ist verwunderlich, dass es zu keinen Blutungen kommt, sowohl außen im Bereich der Haut, als auch im Bereich der inneren Organe, der inneren Gefäße und damit in weiterer Folge zu Funktionsstörungen."

Mirin Dajo führte seine - wie er es behauptete - Unverletzlichkeit - vor, ohne die Klinge des Floretts zu desinfizieren - in Varietés, Gasthäusern oder auch im Freien.

Allen medizinischen und physiologischen Gesetzmäßigkeiten zum Trotz ließ er sich auch kleine Späßchen nicht nehmen.
Schnell war er als Scharlatan und Schwindler verschrien, denn was nicht sein kann, darf nicht sein.

Martin Schindl: "Man hat bei zwei Stichrichtungen gesehen, dass die sicher durch den Thorax gegangen sind, es würde da auch die Lunge betroffen sein, man könnte hier erwarten, dass es auch zu Luftaustritten kommt im Bereich der Lunge und im Bereich des Brustkorbes."

Um zu beweisen, dass er keine Tricks verwendet, ließ sich Mirin Dajo auf eine Untersuchung des "Phänomens" im Bürgerspital von Basel ein. Die skeptische und verblüffte Ärzteschaft hoffte, ihn und seine Tricks entlarven zu können. Vor den kritischen und ungläubigen Augen von Chirurgen, Radiologen und Inneren Medizinern trat Dajo zum Beweis an.

Die Untersuchung ergaben: leicht erhöhten Pulsschlag, erhöhte Schweißabsonderung - aber keine Anzeichen von Schmerz oder schweren Verletzungen.

Um endgültig zu verifizieren, was die Augen zwar sahen aber nicht glauben konnten, baten die Mediziner Mirin Dajo, sich röntgen zu lassen.

Ein skurilles Szenario: Mirin Dajo durchbohrt von einem Florett am Weg zum Röntgenapparat durch die Korridore des Bürgerspitals.

Die Aufnahmen bewiesen: das Florett hat den gesamten Oberkörper durchdrungen, durch alle inneren Organe hindurch. Nach stundenlangen Untersuchungen befanden die Ärzte: es handle sich um keinen Trick, wenngleich sich niemand erklären konnte, wie Mirin Dajo dies überleben konnte. Zurück blieb ungläubiges Staunen.

Martin Schindl: "Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass der Schmerz durch Trance oder Hypnose in den Griff zu bekommen ist. Ich kann mir schwer vorstellen, dass gerade bei den Stichkanälen in mehreren Richtungen hier keine wichtigen Organe getroffen wurden und es Blutungen oder Perforationen von Hohlorganen wie dem Magen oder Darmschlingen zu erwarten gewesen wären."

Als Stimmen auftauchten, dies alles funktioniere nur mit einem spitzen Florett, wechselte Dajo und benutzte eine etwas breitere Klinge.

Martin Schindl: "Es ist sicher interessant, diese Phänomene zu untersuchen. Es ist auch nicht ganz auszuschließen, dass in Grenzbereichen der Biologie, der Medizin verschiedene Phänomene für uns noch nicht wissenschaftlich erklärbar sind."

Seine Motivation begründete Dajo auf einem Ärztekongress in Zürich so:
"Es ist meine Aufgabe, den Menschen die Macht des Geistes über die Materie zu demonstrieren. Jeder verfügt im Innersten über diese Fähigkeit. Mein Ziel ist, dass alle in Frieden leben."

Und verblüffte die anwesenden Ärzte wiederum mit seinen Vorführungen.

Das Phänomen bleibt bis heute ein Rätsel. Die moderne Medizin kennt den Begriff Geist nicht. Erklärungsansätze hat man höchstens dafür, wie Mirin Dajo mit seinen Schmerzen umgegangen sein könnte.

Manfred Schmidbauer, Neurologe, Krankenhaus Hietzing: "In einem Trancezustand ist es möglich, dass gewisse Transmitter, unter anderem auch Endorphine, vermehrt ausgeschüttet werden. Es gibt also objektive Gründe, warum ein solcher Mensch weniger schmerzempfindlich ist in einem solchen Zustand."

Untersuchungen meditierender, tibetischer Mönche in den USA zeigten, dass diese Menschen im Zustand der tiefsten Versenkung einen "Ausnahmezustand" in ihrem Gehirn erzeugen.

Linke und rechte Gehirnhälfte sind harmonisch verschmolzen und zeigen eine Durchflutung von Signalen. Dies könne zu dauerhaften Veränderungen führen - eine mögliche Erklärung?

Manfred Schmidbauer: "Es ist sicher so, dass bei Autosuggestion, bei Meditation, bei all diesen Disziplinen, die ja bei anderen Kulturen teils religiöse Unterbauung haben, die sehr regelmäßig praktiziert werden, oft viele Stunden am Tag und immer wieder, das sind sicher Dinge, die Netzwerksysteme im Nervensystem konditionieren. Das heißt, es ist sicher vorstellbar, dass da neue Kontakte zwischen Nervenzellverbänden entstehen."

Das ist der 83jährige indische Yogi Prahlad Jani. Er behauptet, seit mehr als sechzig Jahren nicht mehr essen und trinken zu müssen. Er lebt seit Jahrzehnten in einer Hütte im Dschungel, einmal im Jahr kommt er zu einem Fest in sein Heimatdorf. Von seinen indischen Anhängern wird er als Heiliger verehrt, indische Kritiker bezeichnen ihn als Lügner und Scharlatan. Seine Behauptung, nicht essen und trinken zu müssen, rüttelt an den Grundfesten der Schulmedizin.

Anton Luger, Stoffwechselexperte, AKH Wien: "Na ja, wenn mir das jemand erzählt bin ich erstaunt und glauben kann ich es nach dem was ich in meiner Ausbildung gelernt habe, kann ich es eigentlich nicht."

Doch wie lange kann man leben ohne zu essen?

Im Jahr 2003 stellte David Blane in London mit 44 Tagen ohne feste Nahrung einen Weltrekord auf. Er schwebte als Attraktion in einem Käfig über der Themse. Er nahm 25 Kilogramm ab und musste dann ins Krankenhaus.

Der chinesische Arzt Chen Jianmin brach kurz darauf diesen Rekord, er hungerte 49 Tage, um für die traditionelle chinesische Medizin zu werben. Getrunken haben aber beide Hungerkünstler.

Anton Luger: "Es ist nicht vorstellbar, dass man 14 Tage lang ohne zu trinken leben kann. Nicht essen ist sicherlich über einen längeren Zeitraum möglich. Das weiß man von Personen die verschüttet waren, aber auch von Hungerstreiks, die ja immer wieder von Inhaftierten gemacht werden, um Ziele zu erreichen. Das ist sicherlich nicht mit zehn Tagen limitiert, sondern da sind auch von der Schulmedizin her mehrere Wochen möglich."

Nahrungslosigkeit findet sich in vielen Kulturen, auch in der christlichen Mystik. So soll Nikolaus von Flüe, der Schweizer Nationalheilige, jahrzehntelang nur Wasser getrunken haben, ebenso Therese Neumann von Konnersreuth. Nun provoziert ein Yogi erneut die Wissenschaft.

Ulrich Brunner, Skeptiker, Wirtschaftuni Wien: "Wir Skeptiker sagen, wir lehnen solche Behauptungen nicht von vornherein dogmatisch ab, sondern sind da offen, bestehen aber darauf, dass solche Behauptungen mit guten Belegen untermauert werden, bevor sie akzeptiert werden können. Das Motto ist ja quasi: außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnliche Beweise."

Die Australierin Jasmusheen behauptete von sich, nur von Licht und Energie zu leben und propagierte eine dreiwöchige Lichtnahrungsumstellung, die von einigen mit dem Leben bezahlt wurde. Andere sind begeistert.

"Am Anfang war das Licht" - der österreichische Film unternimmt eine Reise quer über die Kontinente zu Menschen, die angeben, sich von Licht und Energie ernähren - und macht auch Station in Saalfelden.

Im Jahr 2003 stellte sich der indische Yogi Prahlad Jani schließlich einer medizinischen Untersuchung. Unter Schirmherrschaft des indischen Verteidigungsministeriums wurde Prahlad Jani im Sterling Hospital in der indischen Stadt Ahmadebad 10 Tage quasi "unter Verschluss und Beobachtung" auf Herz und Nieren geprüft. Das indische Militär war interessiert, denn Soldaten die nicht essen müssen sind der Traum aller Feldherren...
Phänomen oder indischer Zauberkünstler?

Sudhir Shah, Neurologe, Sterling Hospital Indien: „Die Untersuchungen wurden nach streng wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt und ich versichere, es gibt keinen Fehler oder Mangel in dieser Studie. Sie wurde unter strenger Überwachung durchgeführt, durch eine große Ärzteschaft, 400 Personen waren beteiligt, Kameras installiert."

Prahlad Jani: "Viele Wissenschafter fragen mich: Was wissen Sie? Wie leben Sie ohne essen und trinken? Das geht schon seit Jahrzehnten so. Ich bin eine Herausforderung für die Wissenschaft!"

Ein Mensch, der zehn Tage lang nichts isst, ist kein besonderes Phänomen. Zehn Tage nichts zu trinken wäre schon außergewöhnlicher. Kritiker behaupten, es habe Lücken im Überwachungssystem gegeben, Pfleger oder Ärzte hätten den Probanden "heimlich etwas zugesteckt" oder zu trinken gegeben. Aber das hätte er dann wohl ausscheiden müssen, irgendwie...

Sudhir Shah: "Dieser Mann hat während dieser zehn Tage nichts gegessen, hat kein Urin ausgeschieden, kein Wasser getrunken, keinen Stuhl gehabt. Trotzdem sind seine medizinischen Parameter alle in einem sicheren Bereich gewesen, egal ob Leber, Herz-Kreislauf, Gehirn, Magen-Darm, Lunge oder was auch immer."

Dementsprechend groß war der Aufruhr nach der Untersuchung, die übrigens 2010 unter denselben Bedingungen wiederholt wurde. Die aktuellen Ergebnisse stehen noch aus, die damaligen wurden veröffentlicht. Spaltet ein indischer Yogi die Wissenschaft?

Sudhir Shah: "Nach diesen zehn Tage waren wir überrascht über diese wissenschaftliche Bombe, das ist eine Sensation, denn wir haben streng wissenschaftlich evaluierte Daten und das wird die Grundfesten der Medizin und Wissenschaft erschüttern."

In einer Abschlusskonferenz wurden die Ergebnisse präsentiert. Den Yogi scheint das nicht zu kümmern - und die Schulmedizin?

Anton Luger: "Die Laborbefunde sind vollkommen normal, das ist unvorstellbar wenn jemand nicht trinkt oder isst, weil zumindest die harnpflichtigen Substanzen ansteigen müssten. Auch Zeichen von gesteigertem Abbau von Eiweißen, es müsste Blutbildveränderungen geben wenn man gar nichts isst. Also es ist für uns nicht vorstellbar."

Vor allem in östlichen Kulturen findet sich das Phänomen der Nahrungslosigkeit, also der Möglichkeit des Menschen nur von Licht und Energie zu leben. Kosmische Energie, Lebensenergie - in Indien nennt man sie Prana, in China Chi. Für die westliche Schulmedizin gibt es diese Energien nicht, für chinesische Qui-Gong-Ärzte sind diese Energieformen Bestandteil ihrer Lehre.

Anton Luger: "Das ist eine sehr spannende Frage. Ich möchte nicht so weit gehen, dass ich sage, ich glaube es nicht, sondern ich kann es ganz einfach nicht erklären und ich bin als Schulmediziner sicherlich nicht derjenige, der besonders dafür geeignet ist, eine Erklärung zu finden. Ich glaube, dass das viel eher, wenn es so ist, wie behauptet wird, dass die Energie, die solche Personen auch sicher verbrauchen, auf einem anderen Weg in den Körper oder Organismus gelangen muss. Und das sind sicher die Physiker, die da einen möglichen Ansatz oder eine mögliche Erklärung finden können."

Die traditionelle Physik hat keine Erklärungen anzubieten, für sie gibt es diese Energien nicht, sie sind auch nicht messbar.
Physikalisch gesichert ist, dass jede Pflanze, jede Zelle, auch die menschliche - Licht abstrahlt - also leuchtet. Diese sogenannten Biophotonen sind bewiesen. Im Film "Am Anfang war das Licht" bieten Physiker auch Erklärungsansätze, die auf diesen Photonen beruhen. Für die klassische Physik reine Spekulation.

Am ANfang war das Licht, Filmausschnitt: "Die klassische Physik beschäftigt sich mit den Gesetzen der alltäglichen Welt und den Kräften, die zwischen Objekten und ihrer Umgebung wirken. Sie erklärt aber nicht das Verhalten von Atomen und dergleichen. Deshalb haben wir die Quantenphysik entwickelt.
Die Quantentheorie kommt in Schwierigkeiten, wenn man Geist und Bewusstsein nicht einkalkuliert. Ich vermute, dass die östliche Philosophie durchaus Recht hat. Dort ist der Geist viel wesentlicher.“

Der durchbohrte Jogger Mirin Dajo, der sich auf seinen Geist berief, hungernde Yogis, Lebensenergien namens Prana und Chi - es bleibt spannend, ob und wann welche Erklärungen die modernen Wissenschaften dafür finden werden.