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Lebensnotwendiges Wasser ist vielerorts so knapp geworden, dass es kaum mehr leistbar ist. Anderswo geraten unkontrollierbare Wassermassen zur Bedrohung. "Über Wasser" erzählt die Geschichten, Erlebnisse und Erinnerungen betroffener Menschen.

Naturgewalten und Überlebenskampf

Der Film beginnt in Bangladesch, wo sich das Leben der Bauern im und um das Zuviel an Wasser abspielt, das die Erde erodieren lässt. Hier hat das Wasser eine Art Wassernomaden geschaffen, die sich den Naturgewalten anpassen und in aller Eile das Dach ihres Wellblechhauses in ein Boot umfunktionieren können, um Hab und Gut von ihrem versinkenden Grundstück zu neuen Ufern zu transportieren.

Über Wasser (c) ORF/Gregor Weiss

Bewohner der Chars in Bangladesh

Riesenprojekte und Auswirkungen

Beeindruckende und irritierende Bilder erwarten die Zuseher in Kasachstan, wo das Zurückweichen des vormals viertgrößten Binnengewässers der Erde, des Aralsees, eine Stadt von Fischern ohne Fische und einen monumentalen Schiffsfriedhof in der Wüste hinterlassen hat.

Über Wasser (c) ORF/Verena Lobisser

Kapitän am "Schiffsfriedhof" (ehemaliger Grund des Aralsees)

Inmitten dieser nahezu surrealen Landschaft begegnet die Kamera einem alten Kapitän, der vom entschwundenen Naturparadies erzählt, und einem Filmvorführer, der den Kontrast zur verwüsteten Stadt in seinem Kino mittels idyllisch jubelnder sowjetischer Propagandafilme herstellt.

Armut und Wasser

Warum der Film den Untertitel "Menschen und gelbe Kanister" trägt, wird im dritten Kapitel klar, wenn Bewohner von Kibera, des größten Slums in Nairobi, das lebensnotwendige Nass in ebendiesen gelben Kanistern nach Hause schleppen. Wasser ist hier zur Ware geworden und es ist gerade dort am teuersten, wo die Menschen am wenigsten Geld haben.

Über Wasser (c) ORF/Gregor Weiss

Wasserträger in Kibera

Das vielleicht klarste und beunruhigendste Statement des Films kommt von einem Wasserverkäufer aus Nairobi, der erklärt: "Nicht jeder kann fließendes Wasser zu Hause haben, denn auch die Finger meiner Hand sind nicht gleich lang..."

Udo Maurer (c) ORF/Gregor Weiss

Wasser: Ware oder Menschenrecht?

Dokumentarfilmer Udo Maurer dokumentiert in "Über Wasser" die Probleme, Erlebnisse und Wünsche der Menschen vor Ort. Das gelingt vielleicht auch deshalb so eindringlich, weil der Regisseur den Menschen etwas gegeben hat, was sie von Besuchern aus dem Westen selten erwarten können: viel seiner Zeit.

Es erklärt vielleicht auch, warum in allen drei Episoden gerade auch Frauen ihren Standpunkt einbringen können, ohne einem postkolonialen Blick ausgesetzt zu sein.

Während "Über Wasser" emotionale Nähe zu den ProtagonistInnen, die mit dem und um das Wasser kämpfen, herstellt, wird dem Publikum die Möglichkeit gegeben, die Frage zu stellen, ob Wasser "Ware" oder "Menschenrecht" ist.

Dokumentarfilm: Österreich/Luxemburg