Kategorien
Film Serie Show Kinder Sport Kultur Doku Magazin Information

 

DIRK STERMANN PRÄSENTIERT:
ÖSDS
ÖSTERREICH SUCHT DEN SUPER-DIALEKT

(c) ORF/SOR TV/Macho/AignerÖsterreich benötigt ein einheitliches, klar erkennbares Sprachbild: Das ist der einzige Weg, um sich vom deutsch-sprachigen Ausland abzugrenzen und die österreichische Identität zu stärken.
 
Sie können schon heute abstimmen:
Welcher Dialekt soll Österreichs neue Amtssprache werden?

Auf dieser Seite finden Sie Tonproben von allen Kandidaten. Hören Sie rein und stimmen Sie mit!
Burgenland: Michael Schreiber
Michael Schreiber (c) ORF/SOR TV/Macho/Aigner
22 Jahre alt. Burgenlandkroate aus Oberpullendorf. Michael ist Drummer der krowodischen Band "Elektrikeri", die er – gemeinsam mit drei Freunden – vor sechs Jahren gegründet hat. "Elektrikeri" sind bereits Kult im kroatischsprachigen Raum des Burgenlands, mit ihrer ersten CD wollen sie nun auch den Rest der Welt erobern.
Der Text:
aus
"I am from Austria"

Da kann ma mochn wos ma wü,
da bin i her, da ghör i hin,
da schmilzt das Eis von meiner Sö,
wie von am Gletscher im April,
a wenn mas schon vergessen ham,
i bin dei Apfel du mein Stamm,
so wia dei Wasser talwärts rinnt,
unwiderstehlich und so hell,
fost wie die Tränen von am Kind
wird auch mei Bluat auf einmal schnell
sog i am End der Wöt voi Stolz
und wenn ihr wollts a ganz allan,
I am from Austria.
Niederösterreich: Theresia Deim
Theresia Diem (c) ORF/SOR TV/Macho/Aigner
Theresia Deim lebt seit über 85 Jahren im Weinviertel, in Mühlbach am Mannhartsberg. Sie ist eine der letzten Vertreterinnen der "Ui"-Mundart, in der aus der Kuh eine Kui und aus dem Bub ein Bui wird.
Der Text:
aus
"Der Naz"

Barfuss kommt unser Naz zum Bächlein und will wieder hinüber. -
Er schaut völlig verstört - das Bächlein ist groß, jetzt kann er nicht hinüber.
"Aber das", sagt er, "das darf doch nicht wahr sein? Jetzt kann ich nicht hinüber!" -
Er geht neben dem Bächlein auf und ab, doch er kann nicht hinüber.
Das Wasser ist tief und breit und an manchen Stellen überschwemmt es auch den Weg;
die Weiden, die auf der Böschung sind, stehen jetzt mitten im Wasser.
Oberösterreich: Lisl Gamsjäger
L. Gamsjäger (c) ORF/SOR TV/Macho/Aigner
Lisl Gamsjäger ist Mitte 60 und Gosingerin mit Leib und Seele. Gemeinsam mit ihrem Mann und einigen anderen traditionsbewussten Gosingern hat sie ein 500 Jahre altes Bauernhaus abgetragen und als Freilichtmuseum Gosau neu aufgebaut. Ihr Dialekt: melodiös-warmes Gosingerisch.
Der Text:
aus
"Winnetou I"

Dieses Calumet sendet dir Intschu tschuna, mein Vater. Er selbst hat den Ton dazu aus den heiligen Steinbrüchen geholt, und ich habe den Kopf daraus geschnitten. Sie ist noch in keines Menschen Munde gewesen, und wir bitten dich, sie von uns als dein Eigentum anzunehmen und unser zu gedenken, wenn du daraus rauchest. Du hast uns bereits soviel gegeben, dass wir dir gar nicht dafür danken können, nämlich wiederholt das Leben Intschu tschunas und Winnetous, meines Bruders. Beide waren wiederholt in deine Hand gegeben, ohne dass du sie tötetest. Dafür sind dir unsere Herzen zugewendet, und du sollst unser Bruder sein, wenn du es unsern Kriegern erlaubst, dich als solchen zu betrachten.
Salzburg: Elke Schörghofer
Elke Schörghofer, Anfang 40, Bäuerin im Pongau, ist Mutter von vier Kindern. Am Mittagstisch nehmen zwischen neun und elf Personen Platz. Dazu die Landwirtschaft. Erstaunlich, dass da noch Zeit für die "Komikazen" bleibt: eine von ihr gegründete Pongauer Frauenkabarett-Gruppe.
Der Text:
E. Schörghofer (c) ORF/SOR TV/Macho/Aigner
aus
"Kochbuch von 1909"
Wenn man einen Kalbskopf im Ganzen kochen will, reibt man ihn mit drei Esslöffel voll Salz ein und steckt dann einen Kochlöffel durch, und zwar oberhalb der Zunge hinein und beim Genick wieder hinaus, damit das Maul offen bleibt und er auch innen durch wird. Man bindet ihn dann in ein reines Tuch, hängt ihn an den Stil eines langen, quer über einen großen Topf gelegten Kochlöffels, sodass er frei im Topfe hängt, gibt soviel Wasser in das Gefäß, dass er ganz bedeckt ist, kocht ihn zwei bis drei Stunden und zieht dann, wenn er noch ganz heiß ist, die Haut der Zunge ab. Häufige Verwendung findet auch das Hirn. Man wäscht es in kaltem Wasser und entfernt dabei die Beinsplitter, legt es hierauf in heißes Wasser und zieht ihm dann die Häutchen und die Adern ab oder streicht es durch ein Sieb.
Tirol: Klaus Knoflach
Klaus Knoflach, 62, lebt in Neustift im Stubaital. Er ist Träger einer langen Tradition: Seit über 100 Jahren erzählt man in Tirol die Geschichte vom Stubacher Jogga. Inhalt: Ein unverzagter Stubaier Bauer macht sich auf den Weg ins ferne Innsbruck. Klaus Knoflach, genannt Niggn Klaus, kann den Text auswendig, er hat ihn vom Singer Hermann überliefert bekommen.
Der Text:
Klaus Knoflach (c) ORF/SOR TV/Macho/Aigner
aus
"Der Stubacher Jogga"

Ich bin dann durch die Schirmgasse marschiert und da zieht es mich direkt in ein Kaffeehaus hinein. Die Kellnerin fragt mich gleich:"Was wünschen sie...Kaffee,Tee, Kakao?" "Was", sag ich, "Kakao?! Dich mag ich jedenfalls nicht. Mir bringst Du einen großen Becher Kaffee und ein paar Süßigkeiten dazu." Die Kellnerin ist verschwunden und hat nach kurzer Zeit das Bestellte serviert. Da sehe ich in einiger Entfernung drei feine Stadtherren bei einem grünen Tisch, wie sie immer eine Kugel mit einem Stock hin und her schießen. Ich frag den Wirt ,ob ich da vielleicht auch einmal mitmachen dürfte.
"Ja freilich", sagt er, und drückt mir gleich einen sehr langen Stock in die Hand.Ich bin hinüber zu dem grünen Tisch und habe auch, so wie die feinen Herren, die Kugeln umhergeschossen. Auf einmal steche ich ein großes Loch in das grüne Tuch hinein.
Da kommt auch schon der Wirt und schreit mich an: "Bauer, das Loch mußt du mir zahlen, das kostet 3,50 Gulden; die Kellnerin schließt sich an und schreit mich an:"Und ich bekomme zwei Gulden für den Kaffee!"
Ich dachte mir, in Gottesnamen, in welche Räuberhöhle bin ich denn da geraten.
Ich habe schließlich das Loch und den Kaffee bezahlt und habe mir gesagt, Jogga, in ein Kaffeehaus gehst du nicht mehr hinein.
Kärnten: Tomaz Ogris & Ulli Ortner
Wie das Burgenland ist ja auch Kärnten mehrsprachig. Da man sich dort aber wegen der Sprache ständig in den Haaren liegt, schickt das Bundesland zwei Vertreter an den Start: Tomaz Ogris, 28, Grafiker und Kärntner Slowene mit gesunder Distanz zu beiden Volksgruppen. Und Ulli Ortner, Mitte vierzig, Weinhändlerin und deutschsprachiges Mitglied im slowenischen Chor.
Der Text: - Ulli Ortner:
Ulli Ortner (c) ORF/SOR TV/Macho/Aigner
Teil 1 des Monologs des Horneck aus
"König Ottokars Glück und Ende"

Er ist ein guter Herr, es ist ein gutes Land,
Wohl wert, daß sich ein Fürst sein unterwinde!
Wo habt Ihr dessengleichen schon gesehn?
Schaut rings umher, wohin der Blick sich wendet,
Lacht's wie dem Bräutigam die Braut entgegen!
Mit hellem Wiesengrün und Saatengold,
Von Lein und Safran gelb und blau gestickt,
Von Blumen süß durchwürzt und edlem Kraut,
Schweift es in breitgestreckten Tälern hin –
Der Text - Tomaz Ogris:
Thomas Ogris (c) ORF/SOR TV/Macho/Aigner
Teil 2 des Monologs des Horneck aus
"König Ottokars Glück und Ende"

Ein voller Blumenstrauß soweit es reicht,
Vom Silberband der Donau rings umwunden! -
Hebt sich's empor zu Hügeln voller Wein,
Wo auf und auf die goldne Traube hängt
Und schwellend reift in Gottes Sonnenglanze;
Der dunkle Wald voll Jagdlust krönt das Ganze.
Und Gottes lauer Hauch schwebt drüber hin
Und wärmt und reift und macht die Pulse schlagen,
Wie nie ein Puls auf kalten Steppen schlägt.
Vorarlberg: Marcel Grabher
Marcel Grabher ist 27, studiert Informatik und ist Lustenauer. Lustenau, das ist selbst für Vorarlberger Verhältnisse jene Gegend, in der bei weitem der unverständlichste Dialekt gesprochen wird. Marcel ist aber auch Musiker. Seine Texte lassen den Vorarlbergern die Haare zu Berge stehen: zum Beispiel das bitterböse Lied vom Romeo und seiner Rosi.
Der Text:
Marcel Grabher (c) ORF/SOR TV/Macho/Aigner
Teil 3 des Monologs des Horneck aus
"König Ottokars Glück und Ende"

Drum ist der Österreicher froh und frank,
Trägt seinen Fehl, trägt offen seine Freuden,
Beneidet nicht, läßt lieber sich beneiden!
Und was er tut, ist frohen Muts getan.
's ist möglich, daß in Sachsen und beim Rhein
Es Leute gibt, die mehr in Büchern lasen;
Allein, was not tut und was Gott gefällt,
Der klare Blick, der offne, richt'ge Sinn,
Da tritt der Österreicher hin vor jeden,
Denkt sich sein Teil und läßt die andern reden!
Steiermark: Herms Fritz
Herms Fritz, unbestimmbaren Alters, ist Lehrender am Joanneum, Schlosser, Grafiker, Experimentalmusiker und Mundartdichter aus Graz. Universalkünstler, Unikat.
Der Text:
Herms Fritz (c) ORF/SOR TV/Macho/Aigner
eine Paraphrase auf den
"Herrn Karl", Teil 1

Bis 34 war i Sozialist. Des war aa ka Beruf, hat ma net davon leben kennan.... Im 34er-Jahr, wissens eh, wia des war. Naa, wissens net. Sie san ja z’jung. Aber se brauchen’s aa net wissen... des sind Dinge, da wollen wir net dran rühren, da erinnert man sich nicht gern daran, niemand in Österreich. Später bin i demonstrieren gangen für die Schwarzen... für die Heimwehr ... net? Hab i 5 Schilling kriagt... Dann bin i ummi ... zu de Nazi ... da hab i aa 5 Schilling kriagt... naja, Österreich war immer unpolitisch.... I man, wir san ja kane politischen Menschen... aber a bissl Geld is z’sammkumman, net.
Wien: Semi Özgül
Semi Özgül ist 24, in Wien geboren, türkischer Herkunft. Ihre Welt ist die Lugner-City, der Brunnenmarkt, die Thaliastraße. Sie spricht in jener verdrehten, verkürzenden Immigrantensprache, die mittlerweile auch von vielen Nichtimmigrantenkindern übernommen wurde. "Respekt, Oida!"
Der Text:
Semi Özgül (c) ORF/SOR TV/Macho/Aigner
Eine Paraphrase auf den
"Herrn Karl", Teil 2

Gefreut hab ich mich schon ... an dem Tag, wo wir ihn bekommen haben ... den Staatsvertrag .... Da sind wir zum Belvedere gezogen, sind dagestanden .... unübersehbar .... lauter Österreicher ... wie im Jahr 38 .... eine große Familie ... eine etwas kleinere halt ... weil das Belvedere ist ja kleiner, als der Heldenplatz. Und die Menschen waren auch reifer geworden.... Und dann ist er herausgetreten, der Poldl (Leopold Figl) und hat die zwei anderen Herrschaften an der Hand genommen und mutig bekannt: „Österreich ist frei!“ Und als ich das gehört habe , wusste ich: Auch das hab ich jetzt geschafft.... es ist uns gelungen, der Wiederaufbau!

Burgenland: Michael Schreiber
Niederösterreich: Theresia Deim
Oberösterreich: Lisl Gamsjäger
Salzburg: Elke Schörghofer
Tirol: Klaus Knoflach
Kärnten: Ulli Ortner
Kärnten: Thomas Ogris
Vorarlberg: Marcel Grabher
Steiermark: Herms Fritz
Wien: Semi Özgül


 
TV-Tipp:
Am 25. Oktober in ORF 2 im Rahmen eines kultur.montag Spezial zum Nationalfeiertag
(Ines Pedoth)
bar
ORF eins ORF 2 ORF III Kultur und Information ORF Sport+