Hommage an den Meister der franzöischen Avantgarde
Ein Amerikaner in Paris. Man Ray muss man nicht vorstellen. Das Bügeleisen mit den Nägeln auf der Bügelfläche, das Foto des weiblichen Rückenakts als Geige, das Porträt der Marquise Casati mit dem doppelten Augenpaar.

Man Ray (c) Kunstforum Wien

Lauter Ikonen der Bildkultur des 20. Jahrhunderts, die über unsere Alltagskultur bis ins Heute wirken. Musikvideos, Mode, Kosmetik, Filme, Einrichtungsgegenstände spielen noch immer mit den überraschenden Bildern, ungewohnten Zusammenhängen, die Man Ray schuf, als Dadaist zuerst, als Surrealist später, zuletzt einfach als Man Ray. Seine Bilder verkauften sich schwer, also wurde er Fotograf. Aber er malte weiter und schuf Objekte und Assemblagen, die hinausführen aus den konventionellen Begrenzungen unseres Vorstellungsvermögens und damals die Kunst neu definierten. Auszüge daraus gibt es ab kommender Woche in Wien zu sehen.

Man Ray - The Rope Dancer Accompanies Herself with

Eine Retrospektive über das Gesamtwerk, wie sie das Kunstforum Wien ab 14. Februar zeigt, hat es in diesem Umfang laut Man Ray Foundation seit 40 Jahren nicht gegeben. Sie ermöglicht ein Wiedersehen mit den altbekannten Stars aber auch die Möglichkeit, neue Freunde zu gewinnen.

Zum Leidwesen seiner Galeristen, die von einem Künstler immer das Bekannteste am besten verkaufen, hasste Man Ray die Wiederholung, erzählt die Galeristin und Sammlerin Marion Meyer, die ihn persönlich gekannt hat und jetzt sein Erbe verwaltet, dem kulturMontag. In ihrer Pariser Wohnung hat sie ein ganzes Man Ray Zimmer eingebaut, das sie der Ausstellung im Kunstforum Wien neben zahlreichen anderen Schätzen zur Verfügung stellt.

So entsteht ein erweitertes Bild von einem regen, freundlichen Geist, der es liebte, in seinem Pariser Studio Kollegen zu empfangen wie Marcel Duchamp, Alberto Giacometti, Max Ernst oder Meret Oppenheim genauso wie die feine Pariser Gesellschaft, die seine Kundschaft war. Am liebsten aber spielte er Schach. Schlecht übrigens, wie er immer bemerkte. Er "rächte" sich mit dem Entwerfen von immer neuen Schachfiguren, die seine Gegner ablenken sollten. Auch eine Art Sieg!


TV-Beitrag: Eva Twaroch & Ines Mitterer

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