Spiel-Trieb: Von Game Masters & Glücksrittern

Der homo ludens im PC- und Internetzeitalter
Sie sind bunt, laut, fesselnd. Sie lassen uns fliegen, Städte bauen oder gegen Aliens antreten.

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Mit dem Pokémon Go-Fieber im Sommer 2016 war es nicht mehr zu übersehen: Menschen von jung bis alt sind im Games-Fieber! Drei Viertel der Jugendlichen Österreichs und die Hälfte der Gesamtbevölkerung vertreiben sich die Zeit mit Computer- und -Videospielen.

Vom schnellen Casual Game, also den kleinen Smartphone-Spielen in der U-Bahn, über Online-Rollenspiele oder kompetitiver E-Sport-Events, die ganze Stadien füllen, bis hin zu Museumsausstellungen durchzieht das Phänomen die Gesellschaft. Psychologe René Proyer forscht zum Spieltrieb der Menschen und konstatiert einen gesellschaftlichen Wandel: was lange nur Kindern zugestanden wurde, gilt längst für alle Alters- und Gesellschaftsschichten.

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Qua der technischen Möglichkeiten kann jedermann seinen Spieltrieb ganz individuell ausleben. Für die preisgekrönte Spieleentwicklerin Mareike Ottrand sind Spiele Kulturträger wie Filme oder Bücher. Viele spielen, um zu lernen oder an Geschichten aktiv teilzuhaben. Während sie Geschichten für Kinder als sogenannte "Click and Point Adventures" aufbereitet, spielt sie selbst gerne Kriegsspiele.

Dass es diese überhaupt gibt, gefällt Thomas de Maiziere gar nicht. Der deutsche Innenminister gibt den sogenannten Killerspielen sogar die Mitschuld an den Attentaten in München. Wärmt eine längst überholte Debatte neu auf. Der Kulturwissenschaftler Christoph Bareither widerspricht mit einer aktuellen und im November preisgekrönten Studie. Für seine Forschungsarbeit hat er 1.200 Spielstunden aufgewendet und belegt einmal mehr, platte Rückschlüsse "vom Killerspieler zum Attentäter" sind absolut nicht zulässig.

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Virtuelle Spiele sind längst in Millionen Lebensrealitäten angekommen. Ob in Beruf, Sport oder Spiel - Erfolg liefert ein gutes Gefühl und treibt zu neuen Leistungen an. Und in der Welt der virtuellen Phantasie und der Gaming Industrie sind Erfolgserlebnisse erfolgsversprechend vorprogrammiert. Egal ob beruflich, sportlich oder spielerisch, die Gaming Society lebt im grenzenlosen Universum.

Der kultur.montag hat, wie übrigens Millionen von Wettkampf-Zusehern, den Spielern und den Machern über die Schulter geschaut.

TV-Beitrag: Franziska Mayr-Keber

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