DIE BESTEN IM JUNI 2014: ANGELIKA REITZER & LUDWIG WINDER

ANGELIKA REITZER

Das Profil bezeichnet die in Wien lebende Grazerin Angelika Reitzer als eine der "eher stillen Autorinnen des Landes" und ihren jüngsten Roman als "Prosa-Glanzstück".

Angelika Reitzer © Peter Köllerer

"Wir Erben" ist der dritte Roman der 1971 in Graz geborenen Autorin, der nun bereits zum dritten Mal in der ORF-Bestenliste vertreten ist. Reitzer erkundet darin mögliche Existenzformen von Familie. Wie bereits in ihren anderen Büchern sind es Frauenfiguren, die im Zentrum ihrer Erzählung stehen. Sowohl ihren weiblichen als auch männlichen Protagonistinnen ist gemeinsam, dass sie einem nicht entkommen können: der eigenen Herkunft.
Angelika Reitzer erhielt im Frühjahr 2014 den Literaturpreis des Landes Steiermark. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass: "Reitzers Werk den Blick mit Behutsamkeit und gleichzeitig mit greller Schärfe auf zeitgenössische weibliche Rollenbilder richtet. Unsentimental im Ton, schnörkellos, sprachlich präzise und detailgenau entwirft Reitzer ein Bild unserer Zeit, das geprägt ist von Identitätssuche und -findung, vornehmlich aus der weiblichen Perspektive."

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Wir Erben© Jung und Jung

Angelika Reitzer

"Wir Erben "

344 Seiten, gebunden
Format 14,5 x 18,5 cm
Verlag Jung und Jung

LUDWIG WINDER

"Wie kann jemand so gute Romane schreiben und doch so gründlich vergessen werden?" fragt Karl-Markus Gauß in der ZEIT. Seiner Meinung nach hat der vergessene Schriftsteller Ludwig Winder mit "Der Thronfolger" einen der besten historischen Romane der deutschen Literatur geschrieben.

Ludwig Winder © Kunstmuseum Solingen/Sammlung Jürgen Serke

Ludwig Winder wurde 1889 als Sohn einer jüdischen Familie im südmährischen Ort Schaffa geboren und arbeitete für verschiedene Zeitungen wie die deutschsprachigen Prager Tageszeitung "Bohemia" oder die österreichische Wochenschrift "Die Zeit" als Redakteur, Literaturkritiker, Lokaljournalist und Theaterreferent. Auch verfasste er mehrere Romane, darunter "Die nachgeholten Freuden" und "Der Kammerdiener". 1939 gelang ihm die Flucht über Polen nach England, wo er 1946 verstarb.
Winders Romanbiografie über den ermordeten Thronfolger Franz Ferdinand erschien bereits 1937 im Schweizer Humanitas Verlag. In Deutschland wurde sie aufgrund der jüdischen Wurzeln des Autors sofort verboten. In Österreich kam das 1935 verabschiedete "Gesetzt zum Schutze des Ansehens Österreichs" zur Anwendung. Das Buch geriet nach 1945 vollkommen in Vergessenheit und wurde erst 1984 wieder in Ost-Berlin verlegt. Jetzt – hundert Jahre nach dem Attentat von Sarajevo – wurde es vom Wiener Zsolnay Verlag wiederentdeckt.

Der Thronfolger © Zsolnay

Ludwig Winder

"Der Thronfolger"

Roman, fester Einband
576 Seiten
Paul Zsolnay Verlag