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DIE BESTEN 10 IM DEZEMBER
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1. Aravind Adiga (36 Punkte) NEU
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 "Der weiße Tiger", C.H. Beck
Für seinen bitterbösen Erstlingsroman „Der weiße Tiger“ ist Aravind Adiga 2008 mit dem Booker-Preis ausgezeichnet worden. Der 34jährige erzählt eine Aufsteigergeschichte aus dem heutigen Indien: Der Dorfjunge Balram Halwai, Sohn eines Rikschafahrers, bringt es kraft seiner überbordenden Amoralität zum erfolgreichen Kleinunternehmer im Internet-Paradies Bangalore. Adiga, im Zivilberuf „Financial-Times“-Korrespondent in Mumbai, hat einen sozialkritischen Roman von faszinierender Sprengkraft vorgelegt. Ein Ereignis. |
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2. Gerbrand Bakker (27 Punkte)
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 "Oben ist es still", Suhrkamp
Der 47jährige Niederländer Gerbrand Bakker hat einen anrührenden Erstlingsroman vorgelegt: In karger, absichtsvoll spröder Prosa berichtet Bakker von einem holländischen Bauernjungen, der in den 60er Jahren auf Anweisung des Vaters den Platz seines tödlich verunglückten Zwillingsbruder einnehmen und den Hof übernehmen muß. Erst als der greise Vater stirbt, kann der mittlerweile 56jährige sein eigenes Leben beginnen. Gerbrand Bakkers Roman zieht einen beim Lesen sofort in seinen Bann. |
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3. Franz Josef Czernin (26 Punkte) NEU
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 "staub.gefässe", Gesammelte Gedichte, Hanser
Franz Josef Czernin ist einer der produktivsten Lyriker der österreichischen Gegenwartsliteratur. Sein jüngstes Werk, "staub.gefässe", versammelt Gedichte aus den letzten drei Jahrzehnten: "nimm dann die eine/ wie die andere hand/ und hau sie in die dritte rein,/ und sieh! das wirft den Kopf allein/ hinein ins tiefe meer;/ und horch! da stirbts gebein,/ und der ort ist plötzlich leer." |
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4. Uwe Tellkamp (25 Punkte)
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 "Der Turm", Suhrkamp
Die Literaturkritik ist sich einig: Mit seinem opulenten Familienroman aus der Fäulnisphase der DDR hat Uwe Tellkamp einen großen Wurf gelandet. Im Zentrum des Buchs stehen der Dresdner Arzt Richard Hoffmann, sein ehrgeiziger Sohn Christian und der als Lektor tätige Schwager Meno Rohde. Schauplatz des Geschehens: ein Villenviertel in Dresden. Mit seinen realsozialistischen „Buddenbrooks“ hat Uwe Tellkamp nicht nur die Bestsellerlisten gestürmt, er ist dafür auch mit dem „Deutschen Buchpreis 2008“ ausgezeichnet worden. |
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5. Olga Flor (24 Punkte)
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 "Kollateralschaden", Zsolnay
Olga Flors Roman spielt in einem Supermarkt. In short-cuts-artig ineinander verwobenen Erzählsträngen bringt die Grazer Autorin eine Reihe von Vorstadtbewohnern zur Kollision. Die 40jährige hat eine kunstvoll gearbeitete Konsum-Groteske vorgelegt; menschliche Dramen zwischen Gefrierkostabteilung und Flaschenrückgabeautomat. Olga Flors dritter Roman wurde für den „Deutschen Buchpreis“ nominiert. Mehr in OE1.orf.at ... |
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6. Juri Andruchowytsch (20 Punkte)
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 "Geheimnis", Suhrkamp
In einem großen, 370 Seiten starken Interview blickt Juri Andruchowytsch auf seine Kindheits- und Jugendjahre in der westukrainischen Stadt Stanislau zurück: von seiner Liebe zum Fußballklub Dynamo Kiew wird der Leser ebenso unterrichtet wie von den Ekstasen des jugendlichen Radiohörers Andruchowytsch, der tausende von Stunden vor dem elterlichen Röhrengerät verbracht hat, um mit roten Ohren Popsendungen auf Radio Polen zu hören. Diskret und offenherzig zugleich lässt Andruchowytsch das Kind wieder lebendig werden, das er einmal war. Eine mehr als amüsante Lektüre. |
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7. ex aequo: Richard Yates (17 Punkte)
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 "Eine besondere Vorsehung", DVA
Ein weiteres Meisterwerk des amerikanischen Realisten Richard Yates liegt endlich auf Deutsch vor: „Eine besondere Vorsehung“ beschreibt die Abgründe einer Mutter-Sohn-Beziehung während der Depression der 30er Jahre. Die erfolglose Bildhauerin Alice Prentice träumt von einer Karriere als Künstlerin, während sie mit ihrem Sohn Bobby von Stadt zu Stadt zieht, und Schulden auf Schulden häuft. Am Ende flieht Bobby als Kriegsfreiwilliger nach Europa, und Mutter Alice widmet sich in einer Absteige in New York ihrer letzten verbliebenen Freundschaft: der zum Whisky. Kaum einer verstand die Schattenseiten des amerikanischen Traums so treffsicher – und wie in diesem Fall auch tragikomisch – aufzudecken wie Richard Yates. |
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7. ex aequo: Denis Johnson (17 Punkte)
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 "Ein gerader Rauch" , Rowohlt
In seinem virtuosen Antiroman wendet sich Denis Johnson einem der großen amerikanischen Traumata zu: dem Vietnamkrieg. „Ein gerader Rauch“ ist Antikriegsroman und Spionage-Thriller, Lovestory und bizarre Parodie in einem. In Amerika ist das opulente und penibel recherchierte Werk mit dem National Book Award ausgezeichnet worden. |
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9. Martha Gellhorn (15 Punkte) NEU
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 "Das Wetter in Afrika", Dörlemann
Dem Dörlemann-Verlag sei Dank: Zehn Jahre nach ihrem Tod wird die große amerikanische Schriftstellerin und Kriegsreporterin Martha Gellhorn auch bei uns entdeckt. Der exquisit gestaltete Band „Das Wetter in Afrika“ umfaßt drei Novellen, im amerikanischen Original erstmals 1962 erschienen. Martha Gellhorn erzählt drei Geschichten aus dem nach-kolonialen Afrika, Geschichten, in denen ein Protagonist die zentrale Rolle spielt: die afrikanische Landschaft in ihrer erhabenen Grandiosität... |
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10. Evelyn Schlag (13 Punkte) NEU
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 "Sprache von einem anderen Holz", Zsolnay
Evelyn Schlag ist eine der subtilsten und sublimsten Lyrikerinnen der deutschen Sprache. Davon kündet auch ihr neuer Gedichtband. In einem von Schlags Poemen thematisiert das lyrische Ich die Furcht vor dem Tod, vor dem ewigen Verstummen: "Mit einem Halbsatz bin ich in diesen Schlaf / gegangen mit einem Schweigen erwacht. / Es ist kalt. / (...) Mir fehlt ein Stück und mehr von mir. / (...) Kein Alphabet mir eingeschrieben lag ich / aufgebahrt in Weiß anstatt in Schwarz wie du / mich liebst lag ich im eigenen Vergessen." |
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Die persönliche Empfehlung von Gabi Madeja.
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 Robert Menasse: Das Ende des Hungerwinters.
(Audio-CD/Hörbuch gelesen vom Autor) - Verlag Hoffmann und Campe
"Das Ende des Hungerwinters" ist eine Geschichte, die der Schriftsteller Robert Menasse in einer Amsterdamer Kneipe von einem Betrunkenen erzählt bekam und nicht glauben wollte, glauben konnte: so unfassbar erschien sie ihm
Im Jahr 1944, im Hungerwinter des Zweiten Weltkiegs, überlebten 200 Amsterdamer Juden im Zoo, im Affenkäfig, die Verfolgung durch die Nationalsozialisten im besetzten Holland.
Menasse recherchierte in Amsterdam bei Freunden, u.a. bei dem Direktor des jüdischen Museums, der ihm die ergreifende Geschichte bestätigte. Wer, und aus welchen Gründen die verfolgten holländischen Juden rettete, bleibt unklar. Waren die Tierwärter und -pfleger Widerstandskämpfer, handelten sie aus Menschenliebe, aus Geldgier? Auf jeden Fall haben alle Versteckten den Naziterror überlebt, alles voran der Ich-Erzähler Max und seine Eltern, im Käfig mit den Schimpansen, eingehüllt in immer räudiger werdende Pelzmäntel. Von den rettenden Pflegern und den Schimpansen mit Essen versorgt, und versteckt vor den Zoobesuchern, die die in Felle eingehüllten Figuren im Hintergrund wohl für Tiere hielten.
Für Robert Menasse - so erzählt er auf der Audio CD - ist diese Amsterdamer Legende eine der Geschichten, von denen er überzeugt ist, dass sie überleben in unseren Seelen, sich tief in das Gedächtnis einprägen werden.
Das kann ich nur bestätigen: einmal gehört, kann man diese Geschichte nicht mehr vergessen. Und sich nur wundern, warum ein solch singulärer Stoff nicht schon längst bekannt ist und quasi auf den österreichischen Schriftsteller mit Zweitwohnsitz Amsterdam gewartet hat. |
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