Die besten 10 im Februar 2018

(c) Hanser

1. Arno Geiger (96 Punkte)

"Unter der Drachenwand", Hanser

Spätestens seit seinem Roman "Es geht uns gut" – für den Arno Geiger 2005 den deutschen Buchpreis erhalten hat – ist der Vorarlberger Schriftsteller einem breiten Publikum bekannt. Drei Jahre nach Erscheinen seines letzten Romans "Selbstporträt mit Flusspferd" meldet sich Arno Geiger jetzt mit dem Roman "Unter der Drachenwand" zurück. Anders als seine letzten Werke ist er nicht in der Gegenwart angesiedelt, sondern erzählt vom Jahr 1944. Veit Kolbe, ein in Russland verwundeter Soldat, macht Urlaub am Mondsee und fragt sich, wann das Leben neu anfängt, der Krieg vorbei ist und ob es so etwas wie Frieden überhaupt gibt - und er lernt zwei junge Frauen kennen: Margot und Margarete.

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(c) Suhrkamp

2. Peter Handke (35 Punkte)

"Die Obstdiebin", Suhrkamp

Peter Handke beginnt sein jüngstes Epos "Die Obstdiebin", das kurz vor seinem 75. Geburtstag erscheint, in der "Niemandsbucht", einer Vorortgegend von Paris, die der Autor auch selbst bewohnt. Der Erzähler verlässt Haus und Obstgarten, um einer jungen, unbekannten Obstdiebin in die nordfranzösische Region Picardie zu folgen. Die Obstdiebin wiederum, eine Figur zwischen Mensch und Phantasma, ist auf der Suche nach ihrer Mutter, und verliebt sich im weiteren Verlauf in einen lebensmüden Pizzaboten. Doch nicht das Ereignishafte steht bei Handke im Vordergrund. Es sind die "allegorischen Bewusstseinsabenteuer" (Stuttgarter Nachrichten) und der Blick des Betrachters, der das Betrachtete und damit das Poetische zum Leben erweckt. Peter Handke verbanne alles aus seinem Erzählprogramm, was die klassische Romanliteratur kennzeichnet, schreibt die Zeit: "Figurenpsychologie, einen benennbaren Konflikt, Handlung, Spannung und Entwicklungslinien." Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet Handke als den "Meister der Prosa des Augenblicks", und "Verwandlung" als das Schlüsselwort seines Projekts eines neuen epischen Erzählens.

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(c) dtv

3. Iwan Turgenjew: (27 Punkte) NEU

"Väter und Söhne", dtv

1862 erschien Iwan Turgenjews Romans „Väter und Söhne“ erstmals im zaristischen Russland und gilt heute als Musterbeispiel realistischen Erzählens jener Zeit. Nun ist das Buch in neuer Übersetzung von Ganna-Maria Braungardt erschienen. Schauplatz ist die russische Provinz zur Zeit der Abschaffung der Leibeigenschaft der Bauern. Ein Medizinstudent namens Basarow kehrt aus Petersburg heim, zu seinem Vater aufs Land. Basarow ist ein überzeugter Nihilist, ein radikaler Anhänger der Aufklärung und der Wissenschaft, der sich in seiner Freizeit mit dem Sezieren von Kröten und Käfern beschäftigt. Als er auf die junge Witwe Odinzowa trifft, verliebt er sich hoffnungslos in die Unerreichbare, und geht schließlich an dieser Liebe zugrunde. "Väter und Söhne" ist ein "unsterblicher Generationenroman“ über die "Psychologie des Werteverfalls" des "unborniertesten Chronisten seiner Epoche". (Standard)

(c) Suhrkamp

4. Attila Bartis (20 Punkte)

"Das Ende", Suhrkamp

Lange hat sich Attila Bartis Zeit gelassen für sein neues Buch – 15 Jahre hat der ungarische Autor an seinem großen Entwicklungsroman "Das Ende" gearbeitet. Ein Fotograf Mitte 50 erinnert sich an die Jahre seiner Kindheit und Jugend im Nachkriegsungarn zurück. Vom Trauma der Revolution 1956, mit Massenverhaftungen und Hinrichtungen, bis zur Wende 1989 spannt Bartis den Erzählbogen und schildert in realistischem, fast lapidarem Ton, wie politische Gewaltverhältnisse das Leben Einzelner prägen. Der Vater kehrt als gebrochener Mann aus dem Gefängnis zurück, die Mutter stirbt, eine Liebesaffäre mit einer Pianistin zerbricht. Bartis gelingt es "experimentelle Blickwinkel auf Erzählen und Erinnerung mit erotischer Aufladung und atemloser Spannung zu verbinden". (Ö1)

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(c) Jung und Jung

5. Olga Flor: (14 Punkte)

"Klartraum", Jung und Jung

Olga Flor zählt zu den profiliertesten Schriftstellerinnen ihrer Generation. Mehrfach ausgezeichnet lebt die studierte Physikerin und Autorin in Graz und Wien. Mit ihrem Roman "Klartraum" schaffte sie es auf die diesjährige Shortlist des Österreichischen Buchpreises. Im Mittelpunkt steht eine leidenschaftliche außereheliche Beziehung, ein Beziehungsviereck in einer Gesellschaft, die sich der Selbstoptimierung verschrieben hat. Eine Geschichte also, in der sich Glücksmomente und Seelenschmerzen lange die Waage halten. Olga Flor analysiert akribisch das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen Mann und Frau, konzentriert sich dennoch immer auch auf die Gesellschaft und das Politische. "Das erste, was Menschen verlieren, ist die Würde." heißt es an einer Stelle. Das große Ganze wird nie aus den Augen verloren. In präziser Sprache entwirft Olga Flor gekonnt ein Zeitpanorama der Gegenwart.

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(c) Klaus Wagenbach

6. Milena Michiko FlaĊĦar (12 Punkte) NEU

"Herr Katō spielt Familie", Klaus Wagenbach

Der zuletzt erschienene Roman "Ich nannte ihn Krawatte" der jungen österreichischen Autorin Milena Michiko Flašar beeindruckend auf Grund seiner unaufdringlichen, poetischen Intensität. Das Buch wurde mehrfach ausgezeichnet und landete auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2012. Jetzt erscheint ihr neues Buch. In "Herr Katō spielt Familie" erzählt Flašar von einem späten Neuanfang, unerfüllten Sehnsüchten und unerwarteten Glücksmomenten. Ein frisch pensionierter, älterer Herr trifft auf eine junge Frau und lässt sich auf ihren Vorschlag ein, für ihre Agentur "Happy family" zu arbeiten. Fortan wird er als Großvater, als Exmann oder als Vorgesetzter engagiert und begegnet außergewöhnlichen Menschen und Lebensgeschichten.

(c) Suhrkamp

7. ex aequo: Annie Ernaux (8 Punkte) NEU

"Die Jahre", Suhrkamp

Entlang ihrer eigenen Lebensgeschichte erzählt die französische Autorin Annie Ernaux von den großen politischen Ereignissen zwischen ihrer Geburt 1940 und dem Jahr 2007 und entwirft dabei eine einprägsame Chronik französischen Lebens. Und dennoch ist "Die Jahre" keine gewöhnliche Autobiographie. In betont sachlichem, nüchternem Stil und in der dritten Person schildert Ernaux eine Jugend in der Nachkriegszeit, die Algerienkrise, die Studienzeit in den wilden 60er-Jahren, Frankreich unter Mitterrand, die Globalisierung bis zur Kapitalismusgläubigkeit des neuen Jahrtausends. Verdeutlicht wird dabei, wie sich individuelle und kollektive Gedächtnisbilder gegenseitig bedingen, wie Persönliches und Historisches miteinander verschränkt sind. "Die Jahre" ist "ein experimenteller, ein anspruchsvoller und passagenweise gewagter Text, der auch ein breiteres Publikum zu begeistern vermag." (Tagesspiegel)

(c) DuMont

7. ex aequo: Haruki Murakami: (8 Punkte) NEU

"Die Ermordung des Commendatore Band 1", DuMont

Ein Jahr nach Veröffentlichung des japanischen Originals erscheint der erste Band des Romans "Die Ermordung des Commendatore" vom Bestsellerautor und Nobelpreisanwärter Haruki Murakami auf Deutsch. Nachdem seine Frau die Scheidung fordert, verlässt der namenlose Protagonist, ein Portraitmaler aus Tokyo, die Stadt, und zieht in die Berge, in das Haus eines berühmten Künstlers. Auf dessen Dachboden entdeckt er das geheimnisvolle, titelgebende Gemälde "Die Ermordung des Commendatore", das auf eine Szene der Mozart-Oper "Don Giovanni" verweist und seltsame Ereignisse in Gang setzt. Aus der Sicht des Malers, der Parallelen zum Autor selbst aufweist, und aus der Perspektive eines unbestimmten Zeitpunkts in der Zukunft, erzählt Murakami die Geschichte, die mit dem Erscheinen von Band 2 im April ihre Fortsetzung findet.

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(c) C.H. Beck

7. ex aequo: Hans Pleschinski: (8 Punkte) NEU

"Wiesenstein", C. H. Beck

Der deutsche Autor Hans Pleschinski, der mit seinem Buch "Königsallee" im Jahr 2013 den Spuren von Thomas Mann und seiner Liebe Klaus Heuser folgte und damit einen Bestseller landete, widmet sich nun einer anderen Größe der deutschsprachigen Literatur: Gerhart Hauptmann. Pleschinski, der in seinen Werken immer wieder Historisches und Fiktives miteinander verzahnt, greift auch in seinem neuen Roman auf reale Dokumente zurück. Die Reise des Nobelpreisträgers und seiner Frau Margarete aus dem zerstörten Dresden in den letzten Kriegsmonaten 1945, mit militärischem Begleitschutz , Richtung schlesisches Riesengebirge, wo die Hauptmanns ein Anwesen besaßen, erzählt er, unter anderem, anhand bisher unbekannter Tagebuchnotizen. "Wiesenstein" macht eine Welt gegenwärtig, die in vielem heute verloren ist.

(c) Zsolnay

7. ex aequo: Stefan Zweig (8 Punkte) NEU

"Sternstunden der Menschheit", Zsolnay

"Immer müssen Millionen müßige Weltstunden verrinnen, ehe eine wahrhaft historische, eine Sternstunde der Menschheit in Erscheinung tritt." schreibt Stefan Zweig im Vorwort der 1927 erstmals erschienenen "Sternstunden der Menschheit". Die vierzehn historischen Prosaminiaturen wurden damals schnell zum Welterfolg. 75 Jahre nach seinem Tod wird nun eine neue, sechsbändige Edition seines erzählerischen Werkes erarbeitet, die mit der Sammlung kurzer Erzählungen zur Weltgeschichte einen Anfang macht. In "Weltminute von Waterloo" etwa wird Napoleons endgültige Niederlage geschildert, Goethes letzte Liebe zu Ulrike von Levetzow wird in "Die Marienbader Elegie" beschworen und im "Kampf um den Südpol" schreibt Zweig vom Wettlauf zwischen den Polarforschern Robert Falcon Scott und Roald Amundsen in der Antarktis, der mit dem tragischen Tod des Briten und seiner Expeditionsgruppe endete. "In diesen Prosaminiaturen werden Zufall und Zaudern zu wichtigen Faktoren von Geschichte erklärt. Ihr Erkenntniswert trägt bis in heutige Tage." (Standard)