DIE BESTEN 10 IM JUNI

(c) Haymon

1. Bettina Balàka (50 Punkte)

"Kassiopeia", Haymon

Ein junger, von Geldnöten geplagter Erfolgsautor und eine zehn Jahre ältere Frau aus reichem Haus, die nach Venedig fährt, um ihm zu begegnen – das ist der Ausgangspunkt des hintergründig-amüsanten Romans der Salzburger Autorin Bettina Balàka. Raffiniert und lustvoll spielt sie mit gängigen Venedig-Klischees und beschreibt ironisch bis ernsthaft männliche wie weibliche Obsessionen und Hoffnungen, Verführbarkeit und Verführung, Nöte und Wonnen.

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(c) Hanser

2. Iwan Gontscharow (28 Punkte)

"Oblomow", Hanser

1858 ist der große Klassiker der russischen Literatur "Oblomow" von Iwan Gontscharow erstmals erschienen, nun liegt das Buch in einer Neuübersetzung auf, die den Witz, die Originalität sowie die tragische Tiefe von Oblomows Schicksal besonders hervorhebt. Gontscharows Meisterwerk ist heute zeitgemäßer denn je. Oblomow ist ein lethargischer Mensch. Alles an ihm ist Langsamkeit und Zögerlichkeit. Er kann es sich erlauben, denn er ist einer, der mit dem goldenen Löffel im Mund zur Welt kam. Der junge Adelige ist Sohn von Beruf und versinkt auf seinem russischen Landgut in Träumerei, Schlaf und grenzenloser Faulheit. Er pflegt lieber seine Tagträume, als Ordnung in seinem Leben zu schaffen - ein Loblied auf den Müßiggang mit bitterem Beigeschmack.

(c) S. Fischer Verlag

3. Gerhard Roth NEU (19 Punkte)

"Portraits", S. Fischer

Bruno Kreisky, Thomas Bernhard, Elias Canetti, Max Frisch und viele andere mehr – sie alle hat der österreichische Schriftsteller Gerhard Roth in den vergangenen Jahrzehnten getroffen und für Zeitungen und andere Publikationen porträtiert. Es sind behutsame Momentaufnahmen, die Einblicke in das Privatleben, den Charakter und auch das Werk der Künstler, Literaten und Politiker geben.

(c) Braumüller Verlag

4. Miklós Vajda (17 Punkte) NEU

"Mutterbild in amerikanischem Rahmen", Braumüller

Im Alter von 78 Jahren hat der ungarische Übersetzer und Literaturkritiker mit diesem gefeierten Roman als Schriftsteller debütiert. Vajda beschreibt hier nicht nur das Verhältnis zu seiner Mutter und ihren Lebensweg. Er blickt zugleich zurück auf die Geschichte Ungarns in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und beschreibt eindrucksvoll den Einfluss, den die Judenverfolgung, die Befreiung und der Kommunismus auf ihn und seine Familie hatten.

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5. ex aequo: David van Reybrouck (14 Punkte) NEU

"Kongo – Eine Geschichte", Suhrkamp

"Ein Jahrhundertbuch" jubelte das Wochenmagazin "Der Spiegel" und meinte damit das preisgekrönte Sachbuch "Kongo - eine Geschichte" von David van Reybrouck. Der Belgier ist 1971 in Brügge geboren, sein Vater hat als Ingenieur im Kongo gearbeitet und im Sohn die Sehnsucht nach dem fernen Land geweckt. Der Archäologe, Dramaturg, Philosoph und Schriftsteller lässt in seinem Buch mehr als 400 Personen zu Wort kommen, darunter Kindersoldaten, Missionare, Popstars und Politiker. Ein gewaltiges Werk über ein Land, das so reich an Problemen ist wie der Boden an Rohstoffen. Trotzdem reduziert sich Reybrouck nicht auf die Gräueltaten und geht sparsam mit Schuldzuweisungen um.

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(c) Wallstein

5. ex aequo: Braunwarth/ Lensing (Hrsg.) (14 Punkte) NEU

"Arthur Schnitzler – Träume. Das Traumtagebuch
1875 – 1931", Wallstein

"Es ist so schrecklich, in seinen Träumen mit sich allein zu sein" schrieb Arthur Schnitzler in sein Tagebuch, das er von 1875 bis 1931 führte. Die Zusammenstellung seiner Notizen zeigt den Dichter als einen Menschen, der sich durch Träume und Selbstbeobachtungen sich und sein Umfeld zu erforschen versuchte. Für die Süddeutsche Zeitung die "wohl faszinierendste Neuerscheinung dieser Saison".

(c) S. Fischer Verlag

5. ex aequo: Felicitas Hoppe (14 Punkte) NEU

"Hoppe", S. Fischer

Spielerisch, phantasievoll und selbstironisch ist diese Biographie, die eigentlich keine ist. Hoppe fabuliert über ein erfundenes Leben, über Eishockey und Interpreten der klassischen Musik mit ansteckender Freude. "Ein grandios unterhaltsamer Schwindel und zugleich eine radikal romantische Selbstbehauptung in einer virtuosen Prosa, die mit allen postmodernen Wassern gewaschen ist und dabei die schmerzliche Schönheit alter Sehnsuchtweisen erklingen lässt", so "Der Spiegel".

(c) Manesse

8. August Strindberg (11 Punkte) NEU

"Das Rote Zimmer", Manesse

Arme Künstler und feine Damen, leichte Mädchen und ein junger Beamter, der nach einem Berufswechsel zum Schriftsteller wird: August Strindberg hat in diesem Roman, mit dem er seinen Durchbruch feierte, auf furiose Art mit Doppelmoral und Verlogenheit und Scheinheiligkeit abgerechnet. Die zum 100. Todestag von Strindberg erschienene Neuübersetzung von Renate Bleibtreu unterstreicht die Finessen des Werkes.

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(c) Schöffling & Co

9. Sherwood Anderson (10 Punkte)

"Winesburg, Ohio", Schöffling

Mit diesen neu übersetzten Kurzgeschichten über eine fiktive Kleinstadt, die von seinem eigenen Heimatort inspiriert wurden, wird der große amerikanische Dichter Sherwood Anderson (1876–1912) für die deutschsprachigen Leser wiederentdeckt. Geschrieben sind sie aus der Perspektive eines jungen Lokalreporters, der den Menschen, die sich "im Schatten der Mauer des Lebens" bewegen, begegnet. Voll Feingefühl schildert Anderson die Figuren und macht zugleich Stimmungen und Orte auf besondere Weise plastisch.

(c) Kyrene

10. Alfred Gelbmann (8 Punkte) NEU

"Trümmerbruch oder die Entdeckung des glücklichen Raumes", Kyrene

In einer Gefängniszelle lässt Alfred Gelbmann seinen Protagonisten Moser den "glücklichen Raum" entdecken. Von der Anstaltsleitung darum ersucht, verfasst Moser mehrere Niederschriften, die sein Leben und den Tod einer gewissen Lila dokumentieren sollen. Mosers Erinnerungswege sind auf kafkaeske Art gewunden und zunächst unüberschaubar. Aber sie sind auch bildreich und leuchtend, und in dieser Kaskade an Einzelimpressionen entsteht letztlich das Psychogramm eines zerstörten Menschen in einer zerstörten sozialen Umwelt. Kein einfaches Buch, aber ein absolut beeindruckendes.